Giftinformationszentrum-Nord der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein

Zentrum Pharmakologie und Toxikologie, Universität Göttingen, Robert-Koch-Str. 40, D37075 Göttingen

Jahresbericht 1998
 
 
Bericht für Anfragen nur aus Niedersachsen

(Übersetzter Auszug aus:

Harmonized Annual Report, prepared corresponding to the proposal for an update of Annex II to Council Resolution 90/C329/03-Revised 24 November 1995-;
der Originalbericht sowie Teilberichte über die einzelnen Bundesländer sind über das Internet-Angebot des GIZ-Nord zugänglich)

1. Identifizierung der Institution

Name der Institution:
  Postadresse:
  Telekommunikationsnummern und Adressen:
  Leiter des Zentrums:
 

2. Jahr

Dieser Jahresbericht bezieht sich auf das Jahr:  1998 
mit Anfragen vom  01. Jan 98 bis  31. Dez 98

 

3. Administrative Informationen

3.1. Institution

Das Zentrum ist Teil der Universität Göttingen, lokalisiert im Klinikum Göttingen.

3.2. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Insgesamt arbeiteten am 31. Dez 98 im Giftinformationszentrum-Nord 12 Personen auf 8 Vollzeitstellen. 
                                  Anzahl            

                           Vollzeit-Äquivalente     



                        Beratung      Verwaltung     

                                      und Anderes    



ärztliche Beraterinnen      5,75                

und Berater                                          



                                              1 

Systemspezialist EDV                                 



Verwaltungskräfte                             0,75 



Chemiker                     0,5


 

3.3. Zentrumsetat

Das Zentrum besitzt seinen eigenen Etat.

Die Etatmittel werden zu 100% von den Vertragsländern bereitgestellt.

3.4. Tätigkeit des Zentrums

3.4.1. Überblick

Das Giftinformationszentrum-Nord arbeitet eng mit der Arbeitsgruppe klinisch-toxikologische Dienstleistung zusammen. In dieser Arbeitsgruppe werden toxikologische Analysen für Patienten des Universitätsklinikums Göttingen und räumlich nahe gelegener Krankenhäuser durchgeführt.

3.4.2. Antidote

Das Zentrum ist nicht direkt an der Verteilung von Antidoten beteiligt, hilft allerdings mit Informationen über räumlich nahe gelegene Antidotdepots.

3.4.3. Art der Informationen

Informationen werden sowohl medizinischem Fachpersonal, wie auch der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Das Giftinformationszentrum-Nord ist 24 Stunden täglich mit ärztlichen Giftberaterinnen und beratern besetzt.

3.4.4. Versorgte Bevölkerung

In den 4 Vertragsländern leben zur Zeit ca. 12,6 Millionen Menschen.

16 % der Anrufe kommen aus anderen Bundesländern und aus dem Ausland.

3.5. Informationsquellen

Die Quellen für Produktinformationen des Giftinformationszentrums-Nord sind in folgender Tabelle dargestellt: 
                   Medikamente  Produkte         Haushalts- Kosmetika  Nahrungs- 

                                zum gewerb-      produkte              mittel        

                                lichen Gebrauch                                   

                                                                        



 Freiwillige             Ja           Ja          Ja         Ja          Ja 

Meldung der                                                                     

Industrie an das                                                                

Zentrum                                                                         



 Datenquellen im         Ja           Ja          Ja         Ja          Ja 

Internet                                                                        



 Gesetzliche                                      Ja         Ja             

Meldung der                                                                     

Industrie an das                                                                

BgVV*                                                                           



 Freiwillige                           Ja          Ja         Ja          Ja 

Meldungen an das                                                                

BgVV*                                                                           



 Kommerzielle            Ja                                                 

Informationsange-                                                              

bote

* BgVV = Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin, Berlin

Auf freiwilliger Basis werden von Industrieunternehmen aus den Vertragsländern dem GIZ-Nord Sicherheitsdatenblätter zu Verfügung gestellt. Auf einem Großteil dieser Sicherheitsdatenblätter wird das GIZ-Nord als Notfall-Ansprechpartner genannt. Diese Dienstleistung erfolgte für Firmen mit Sitz im Gebiet der Vertragsländer des GIZ-Nord unentgeltlich.

Versorgung des Zentrums mit Produktinformationen: 


                   Medikamente     Produkte zum   Haushaltspro-   Kosmetika      

                                   gewerblichen   dukte                           

                                   Gebrauch                                     



 Lokal                   Ja          Teilweise      Teilweise          Ja       



 Bundesweit              Ja          Teilweise      Teilweise          Ja       



 EU-weit                 Ja          Teilweise      Teilweise         Nein

4. Anfragestatistik

4.1. Gesamtzahl aller Anfragen: 10294

4.2. Monatliche Variation (Anzahl der Anfragen):

Januar   748                    Juli               1073 



Februar  728                    August              941 



März     818                    September          1025 



April    718                    Oktober             867 



Mai      882                    November            806 



Juni     934                    Dezember            754

4.3. Übermittlungswege der Anfragen (Anzahl)

Telefon: Nicht bundesland-spezifisch erfaßt
Brief / Fax / eMail: Nicht bundesland-spezifisch erfaßt
persönlicher Besuch: Nicht bundesland-spezifisch erfaßt

4.4. Gründe für die Anfragen und Gruppen von Anfragenden (Anzahl)


                       Art der Anfrage                                         



Art der Anfragerin /   Tatsächliche oder   Informationsanfrage Gesamtergebnis  

des Anfragers          vermutete                                               

                       Vergiftung                                              



Allgemeine             4029                490                 4519            

Öffentlichkeit                                                                 



Ärztin / Arzt          5270                358                 5628            



andere Heilberufe      96                  51                  147             



Gesamtergebnis         9395                899                 10294

5. Vergiftungsfälle

Alle folgenden Angaben beziehen sich auf Vergiftungsfälle, an denen das GIZ-Nord durch Beratung beteiligt war.

Bei der Dokumentation von Beratungsfällen wurden alle von den Anfragenden genannten Vergiftungsursachen EDV-technisch erfaßt. Dabei handelt es sich um Produkte und ihre Inhaltsstoffe sowie biologische Organismen. Alle Vergiftungsursachen werden im folgenden zusammenfassend als Noxen bezeichnet. Für die hier durchgeführten Auswertungen wurde jeweils nur eine Noxe verwandt. Bei einer Vergiftung mit mehreren Substanzen wird der Vergiftungsfall unter die - nach Einschätzung der Beratenden - gefährlichste Noxe eingruppiert.

Die Auswertung der Vergiftungsfälle bezieht sich auf die von den Beraterinnen und Beratern erstellten Beratungsprotokolle. Die Anzahl der Vergiftungsfälle in diesem Kapitel unterscheidet sich in mehrfacher Weise von der Anzahl der Anfragen, wie sie in Kapitel 4 ausgewertet wurden:

5.1. Menschliche Vergiftungen und menschliche Vergiftungsverdachtsfälle

Gesamtzahl der menschlichen Vergiftungen und  menschlichen Vergiftungsverdachtsfälle: 9552

Die Zahl beinhaltet keine Tiervergiftungen (vgl. Kap. 5.2).

5.1.1. Geschlecht der Betroffenen (Anzahl)

männlich:        3870 



weiblich:        4171 



unbekannt:       1511
bei den weiblichen Betroffenen wurden erfaßt:
Schwangere:        32 



Stillende:          9


5.1.2. / 5.1.3. Vergiftungsursachen und Altersgruppen



Die hier wiedergegebene Tabelle gibt einen Überblick auf die Verteilung der Vergiftungen auf verschiedene Noxengruppen. Eine weitaus detaillierter Aufstellung findet sich im Anhang 1 (auch zugreifbar über das Internetangebot des GIZ-Nord). Über die Angaben im offiziellen Jahresberichtsformat hinaus enthält diese Liste detaillierte Informationen über eine Schweregrad-Einstufung der Vergiftungen (vgl. Kap. 5.1.6.).

Alle Noxen wurden dazu in ein dreistufiges, hierarchisches Kategorieschema einsortiert (Haupt-, Mittel- und Untergruppe, die hier wiedergegebene Tabelle enthält somit nur Angaben zur Hauptgruppenzuordnung der Noxen). Über die Anwendungkategorien hinaus (EVA-Code für chemische Produkte, Kosmetika und Pestizide sowie ATC-Code für Medikamente) wurden für 1998 erstmals eine Kategorisierung der Vergiftungsfällen mit Pflanzen und Tieren nach biologisch-systematischen Kriterien (Taxa) durchgeführt.

Eine dreistufige Einteilung reicht für eine Darstellung aller relevanten biologischen Taxa bei weitem nicht aus. Für die Pflanzen (inkl. der Pilze) mußten daher botanische Abteilung, Unterabteilung und Klasse zur Mittelgruppe zusammengefaßt werden, die Familie bildet die Untergruppe. Der Übersichtlichkeit wegen wurden Unterklassen und Ordnungen nur zur Anordnung der Pflanzenfamilien in der Tabelle genutzt aber dort nicht explizit genannt. Für Tiere wurde der Tierstamm als Mittelgruppe gewählt, die Klasse als Untergruppe. Für die Anordnung der Tierklassen in der Tabelle waren auch hier Verwandschaftsbeziehungen ausschlaggebend.

Detaillierte Auswertungen zu allen Noxengruppen oder Betroffenengruppen wurden und werden laufend auf gezielte Anfragen hin erstellt. Ausgewählte Zusatzauswertungen sollen künftig im Internet zur Einsicht bereitgestellt werden.

Noxen und Altersgruppen der Betroffenen (Übersicht)


Summe - PAT_ZAHL      Altersgruppen                                                          



Hauptgruppe           Kind <1    1-4  5-9  10-14 15-19 20-49 50-6 >70  Erwach nicht    Gesamt- 

                                                             9         sener  bekannt  ergebnis 

                      o.a.                                             o.a.                 

                                                                                             



1: Arzneimittel         24    74  981   94   103   341  1454  276  134    277    168    3926 



2: Tierarzneimittel      0     1   10    1     0     0     6    1    0      2      0      21 



3: Chemische            34  p; 



4:                       8    37  270   16     7     3    13    3   18     12      4     391 

Kosmetika/Hygieneprod                                                                        

ukte                                                                                         



5: Pestizide             4    12  116   12     3     1    58   35    8     34     78     361 



6: Agrochemikalien       1    14   59    4     2     1     6    3    1      3      6     100 

(außer Pestizide)                                                                            



7: Drogen                0     0    1    0     4    28    49    0    0      5      6      93 



8: Pflanzen             17   217  626  129    37    13    30   10    4     22     93    1198 



9: Pilze                 5     4   53    5     7     6    29    7    4     19     31     170 



10: Tiere                2     2    9    4     4     3     9    3    0     16      7      59 



11: Nahrungs-und         8    56  206   22     7     9    52   14    4     42     69     489 

Genußmittel                                                                                  



12: Waffen               1     3    5    2     2     3     4    0    0      1      7      28 



13: Umwelt               3    18   44    9     8     1    19    3    0     20     23     148 

(eindeutige                                                                                  

Zuordnung unmöglich)                                                                         



14: Grundsubstanzen      5    25   95   13    12    16   111   23    5     52     60     417 

(Stoffe ohne def.                                                                            

Anw.-Geb.)                                                                                   



15: Produkt nicht        1    13   42    5     1     0     4    4    1     12      6      89 

zugeordnet                                                                                   



0: kein Produkt          0     0    3    0     0     0     4    0    0      0     15      22 



Gesamtergebnis         113   597 3511  421   231   481  2118  440  205     670   765    9552

5.1.4. Vergiftungsort


                            Anzahl      



Haushalt:                   6368        

Arbeitsplatz (gewerblich):   294         

Kindergarten:                 70          

Schulen:                      55          

Krankenhaus:                 103         

Justizvollzugsanstalten:       6           

Unbekannt:                  2361        

Andere:                      295         



Anzahl aller                9552        

Vergiftungsfälle

5.1.5. Vergiftungsumstände


                            Anzahl               





Akzidentell                 6036                 

Beabsichtigt                                     

Suizidal                    2238                 

Abusus                      235                  

Fremdbeibringung            35                   

Unerwünschte Reaktion auf                        

Medikament                  187                  

Nahrungsmittel              unter akzidentell    

                            erfaßt               

Andere                      273                  

Unbekannt                   548                  



Anzahl aller                9552                 

Vergiftungsfälle

5.1.6. Geschätzte Schweregrade

Die Schwere der Vergiftungsfälle wurde erfaßt, wie sie zum Zeitpunkt der Anfrage eingeschätzt wurde. 
vermutetes Risiko                         Anzahl                             



nicht eingestuft                          2062                               



   davon: nicht dokumentiert              1021                               



               nicht beurteilbar          1041                               



keine Kausalität                          37                                 



nicht toxisch oder symptomlos             3622                               



wahrscheinlich nicht toxisch (leichte     2621                               

Symptome)                                                                    



Vergiftung möglich oder manifeste         1210                               

Vergiftung                                                                   



  davon: mittlere Symptome                904                                



              schwere Symptome            306                                



Anzahl aller Vergiftungsfälle             9552


 

Noxen und Gewichtung der Intoxikationen (Übersicht)


Summe - PAT_ZAHL           GEWICHTUNG                                            



Hauptgruppe                gestor- schwer mittel leicht symptom- nicht    nicht     Gesamter- 

                           ben                          los      dokumen- beurteil- gebnis 

                                                                 tiert    bar         



1: Arzneimittel               3    250    664    1257    999     396       357       3926 



2: Tierarzneimittel           0      0      2       8      7       2         2         21 



3: Chemische Produkte         4     20     68     563   1014     173       198       2040 



4:                            1      0      5     115    220      26        24        391 

Kosmetika/Hygieneprodukte                                                        



5: Pestizide                  3     10     10      68    115      65        90        361 



6: Agrochemikalien (außer     0      0      0      18     72       7         3        100 

Pestizide)                                                                       



7: Drogen                     0      6     11      28     10      22        16         93 



8: Pflanzen                   0      3     60     229    666     132       108       1198 



9: Pilze                      0      3     14      30     41      31        51        170 



10: Tiere                     0      3      5      22      8       8        13         59 



11: Nahrungs-und              0      6     15     128    218      40        82        489 

Genußmittel                                                                      



12: Waffen                    0      1      2      15      9       0         1         28 



13: Umwelt (eindeutige        0      0      4      29     67      16        32        148 

Zuordnung unmöglich)                                                             



14: Grundsubstanzen           0      4     40     113    143      64        53        417 

(Stoffe ohne def.                                                                

Anw.-Geb.)                                                                       



15: Produkt nicht             0      0      3      15     39      12        20         89 

zugeordnet                                                                       



0: kein Produkt               0      0      1       1      4      16         0         22 



Gesamtergebnis               11    306    904    2639   3632    1010      1050       9552

Eine detaillierte Darstellung für die einzelnen Noxengruppen ist im Anhang zu Kapitel 5.1.2 (Vergiftungsursachen und Altersgruppen) angefügt.

5.1.7. Behandlung

(diese Informationen wurden nicht Bundesland-spezifisch erfaßt. Es sind die Werte für alle Bundesländer genannt.) 
Schriftliches Follow-up angefordert                         186


Gesamtzahl der erfaßten Fälle mit erfolgreichem              108            

schriftlichem Follow up:


    Art der Behandlung             Anzahl der Fälle in 1998         



                              empfohlene Behandlung   durchgeführte  

                                                        Behandlung   



                            alle Fälle    Fälle mit      Fälle mit    

                                          follow up      follow up    



Empfehlung nicht gegeben        *              *              0 



keine                                                        11 



symptomatisch und               *              *          &p;         *              *             77 

Methoden)                                                             



- Verhinderung der              *              *             77 

Absorption                                                            



- Aktivkohle oder andere        *              *             70 

Sorbentien (unspezifische                                             

Antidote)                                                             



- Elimination (z.B.             *              *              * 

Hämodialyse,                                                          

Hämoperfusion)                                                        



spezifische Antidote            *              *             24


 
 
Fälle mit telefonischem Follow-up *                         831

*: Daten nicht strukturiert erfaßt

5.2. Tiervergiftungen

Insgesamt wurden 117 Vergiftungsfälle und Vergiftungsverdachtsfälle bei Tieren im Jahr 1998 beraten.

Tierart                             Anzahl  



Hund                                77      

Katze                               18      

Pferd                                4       

Schaf                                0       

Rind                                 0       

andere                              18      



Anzahl aller Vergiftungsfälle mit   117     

Tieren
 
 

6. Informationsanfragen ohne Vergiftungsfälle

Diese Angaben beziehen sich auf Anfragen, die nicht im Zusammenhang mit einem akuten Vergiftungs- oder Vergiftungsverdachtsfall stehen.


Grund der Informationsanfrage                                       Anzahl 



Identifizierung eines unbekannten Tieres                                 2 

Identifizierung eines unbekannten pharmazeutischen Produktes            11 

Zusammensetzung eines Produktes                                          9 

Information zu Lebensmittelzusätzen                                      2 

Umweltgifte                                                             11 

Pflanzliche oder "natürliche" (aber keine pharmazeutischen)             82 

Produkte                                                                   

Laboranalysen                                                           27 

Drogenberatung                                                           8 

Toxizität spezifischer Noxen                                            54 

Wirkung von Medikamenten, Nahrungs- und Genußmitteln                    34 

Epidemologische Anfragen zu spezifischen Noxen                          11 

Medikation in Schwangerschaft oder Stillzeit                            34 

Toxikologische Anfragen, nicht näher spezifiziert                      490 

Andere                                                                 109 



Anzahl aller Informationsanfragen                                      884

7. Toxikologische Analysen

Das Giftinformationszentrum-Nord führte selbst keine toxikologischen Analysen durch, arbeitet in dieser Hinsicht allerdings eng mit der Arbeitsgruppe "klinische-toxikologische Dienstleistungen" der Universität Göttingen zusammen, die einen eigenen Jahresbericht erstellt.
(http://regulus.pharbp.med.uni-goettingen.de/klintox/zaklinto.htm).

8. Weitere Ergänzungen

Auf diesen Bericht, seinen Anhang vorhergehende Jahresberichte und weitere detaillierte statistische Informationen kann über die Homepage des GIZ-Nord im Internet online zugegriffen werden:

http://www.giz-nord.de .

In der nachfolgenden Tabelle ist die Aufteilung der Herkunft der Anfragen auf die Bundesländer für 1998 dargestellt.

Land                       Anfragen     Anteil        Anteil     

                                                  Vertragsländer 

                                                                 



Schleswig-Holstein          3248        14,8%       17,6%          



Hamburg                     3658        16,7%       19,8%          



Niedersachsen              10294        46,9%       55,9%          



Bremen                      1229         5,6%        6,7%           



Nordrhein-Westfalen          972         4,4%                       



Hessen                       962         4,4%                       



Rheinland-Pfalz               45         0,2%                       



Baden-Württemberg             72         0,3%                       



Bayern                       147         0,7%                       



Saarland                      27         0,1%                       



Berlin                        36         0,2%                       



Brandenburg                   14         0,1%                       



Mecklenburg-Vorpommern        39         0,2%                       



Sachsen                       45         0,2%                       



Sachsen-Anhalt                48         0,2%                       



Thüringen                     51         0,2%                       



ohne Angaben oder           1078         4,9%                       

Ausland                                                          



Summe                      21965       100,0%                     



Summe Vertr.-Länd.         18429        83,9%       100,0%

Einzelfallberichte

Zur Illustration besonderer Vergiftungsgefahren sind einige ausgewählte Fallberichte, vorwiegend mit schwerer Symptomatik, im folgenden kurz skizziert.

Narzissenzwiebel

#56983/Re

Eine einzelne Narzissenzwiebel wurde anstatt einer Küchenzwiebel im Eintopf gegart. Drei Personen aßen vom Eintopf: Eine erwachsene Frau, die nur sehr wenig gegessen hatte, entwickelte Übelkeit; ein erwachsener Mann entwickelte ebenfalls Übelkeit und erbrach einmalig; ein 2jähriger Junge, der nur vom Sud gegessen hatte, erbrach dreimal und hatte am nächsten Morgen Durchfall.

Kohlenmonoxid

#56736/St

Der Notarzt wurde zu einem Jugendlichen gerufen, den die Eltern komatös im Badezimmer aufgefunden hatten. Beim Eintreffen des Arztes war der Patient schläfrig, die sonstige körperliche Untersuchung ergab keine auffälligen Befunde. Die arterielle Sauerstoffsättigung war mit 85 % (pulsoximetrisch) deutlich vermindert. Unter Sauerstoffgabe über Nasensonde wurde der Patient schnell symptomlos.

Es wurde der Verdacht auf eine Kohlenmonoxid-Vergiftung durch den im Bad befindlichen gasbetriebenen Warmwasserbereiter geäußert. In der Badezimmerluft wurde später eine erhöhte Kohlenmonoxid-Konzentrationen gemessen. Die Mutter des Patienten befand sich in neurologischer Behandlung, weil sie im Bad bereits mehrfach bewußtlos geworden war.

Kreuzotter

#50232/Mü

Ein 28jähriger Mann wurde von einer Kreuzotter ins Mittelglied des rechten Mittelfingers gebissen. Schnell kam es zu einer rasch zunehmenden Schwellung der Hand und des Unterarmes mit Kompartment-Syndrom, so dass eine Spaltung der Muskelfaszien in diesem Bereich erforderlich war. An der Bißstelle bestand eine lokale Gewebezerstörung (Nekrose), die im Rahmen der weiteren Behandlung mit einer Spalthautplastik gedeckt werden mußte. Ein Antiserum wurde nicht verabreicht. Die Wundheilung wurde durch eine lokale Infektion verzögert.

Ätherisches Öl

#46493/HeCl

Einem 8 Wochen-alten Säugling (4,8 kg) wurde ca. 0,5 g einer Mischung verschiedener ätherischer Öle (Ol. Thymii, Ol. Eucalypti, Ol. Menthae pip., Ol. Pini pumillo) anstelle von Nasentropfen verabreicht. Dies entspricht einer Dosis von ca. 100 mg ätherisches Öl/kg Körpergewicht. Kurze Zeit später ist das Kind nach Angabe der Mutter "blau angelaufen", zusätzlich bestand ein beschleunigter Puls (ca. 177/min). 45 min später erfolgte die Aufnahme in einer Klinik. Dem Kind wurde Sauerstoff gegeben, eine bläulich blasse Gesichtsfarbe war jetzt nicht mehr zu beobachten. Die Pulsbeschleuigung hielt für ca. 5 Stunden an und klang dann ohne Therapie ab. Der weitere klinische Verlauf, eine Röntgenuntersuchung des Brustraumes und eine HNO-ärztliche Untersuchung waren unauffällig. Der kleine Patient konnte am folgenden Tag beschwerdefrei entlassen werden. Möglicherweise war eine Einengung des Kehlkopfes durch einen Muskelkrampf (Laryngospasmus) die Ursache der anfänglichen Atmungsstörung.

Zigaretten

#35384/HeCl

Ein Kleinkind, 18 Monate alt, hatte an einem Glas mit einem "Zigarettenaufguß" ein- bis zweimal genippt: Dieser enthielt 15 Kippen in Wasser und hatte wohl einige Tage in der Wohnung gestanden. 30 Minuten später wurde das Kind blaß, kaltschweißig, schläfrig und konnte nicht mehr stehen. Es wurde in eine Klinik gebracht. Dort war das Kind noch immer blaß, hatte eine Pulsfrequenz von 180/min, war aber nicht weiter schläfrig. Mittlerweile hatte es reichlich spontan erbrochen. Ihm wurde medizinische Kohle verabreicht. Vier Stunden später war das Kind wieder völlig beschwerdefrei.

Formaldehyd

#33800/HeCl

Eine 70jährige Patientin trank 1-2 Schlucke einer Formaldehydlösung unbekannter Konzentration aus einer Doppelkornflasche und hatte sofort heftige Schmerzen. Zum Zeitpunkt der Aufnahme im Krankenhaus war die Zunge weißlich belegt, die Patientin hatte zudem schaumig und blutig erbrochen. Bei einer endoskopischen Untersuchung zeigten sich ausgedehnte Schleimhautschäden hauptsächlich im Magen. Im weiteren Verlauf entwickelte sich eine gefährliche Entzündung des Bauchraumes (Durchwanderungsperitonitis). Auch in der Luftröhre fanden sich Verätzungen. Es kam in der Folge mehrfach zu Lungenentzündungen. Auf Grund der schweren Schäden der Magenwand mußte eine Magenresektion durchgeführt werden. Sechs Wochen nach dem Ereignis war die Patientin noch immer in stationärer Behandlung.

Tollkirsche

#58692/Eb

Ein 25jähriger Mann sammelte im Spätsommer Schlehenbeeren und legte sie in Alkohol ein. Dieser aufgesetzte Schnaps schien ihm im Dezember ausgereift. Er filtrierte ihn und probierte zwei Gläser. Schon kurze Zeit später wurde er stark verwirrt und mit weiten Pupillen ins örtlichen Krankenhaus eingeliefert.

Wegen der ausgeprägten anticholinergen Symptomatik erhielt der Patient 2 mg Physostigmin, woraufhin sich sein Zustand rasch besserte. Am nächsten Tag konnte er beschwerdefrei entlassen werden.

Eine Untersuchung von Blut-, Urin- und Getränkeproben erfolgte leider nicht. Da jedoch die Vergiftungszeichen denen einer typische Atropinvergiftung entsprachen, kann man vermuten, daß dem Herrn beim Beerensammeln einige Tollkirschen untergekommen waren.

Für medizinisches Fachpersonal liegt als Anlage 2 zu diesem Jahresbericht eine Sammlung weiterer Fallberichte vor, die beim GIZ-Nord angefordert werden kann. Diese Sammlung umfaßt auch eine Kurzbeschreibung der meisten Vergiftungs-Todesfälle aus dem Jahr 1998.