Giftinformationszentrum-Nord der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein

Zentrum Pharmakologie und Toxikologie, Universität Göttingen, Robert-Koch-Str. 40, D37075 Göttingen

Jahresbericht 1998
 
 

(Übersetzter Auszug aus:

Harmonized Annual Report, prepared corresponding to the proposal for an update of Annex II to Council Resolution 90/C329/03-Revised 24 November 1995-;
der Originalbericht sowie Teilberichte über die einzelnen Bundesländer sind über das Internet-Angebot des GIZ-Nord zugänglich)

1. Identifizierung der Institution

Name der Institution:
  Postadresse:
  Telekommunikationsnummern und Adressen:
  Leiter des Zentrums:
 

2. Jahr

Dieser Jahresbericht bezieht sich auf das Jahr: 1998
mit Anfragen vom 01. Jan 98 bis 31. Dez 98

3. Administrative Informationen

3.1. Institution
Das Zentrum ist Teil der Universität Göttingen, lokalisiert im Klinikum Göttingen.

3.2. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Insgesamt arbeiteten am 31. Dez 98 im Giftinformationszentrum-Nord 12 Personen auf 8 Vollzeitstellen. 


                                  Anzahl            
                           Vollzeit-Äquivalente     

                        Beratung      Verwaltung     
                                      und Anderes    

ärztliche Beraterinnen     5,75                
und Berater                                          

                                             
Systemspezialist EDV                        1                                 

Verwaltungskräfte                           0,75 

Chemiker                     0,5

3.3. Zentrumsetat

Das Zentrum besitzt seinen eigenen Etat.

Die Etatmittel werden zu 100% von den Vertragsländern bereitgestellt.

3.4. Tätigkeit des Zentrums

3.4.1. Überblick

Das Giftinformationszentrum-Nord arbeitet eng mit der Arbeitsgruppe klinisch-toxikologische Dienstleistung zusammen. In dieser Arbeitsgruppe werden toxikologische Analysen für Patienten des Universitätsklinikums Göttingen und räumlich nahe gelegener Krankenhäuser durchgeführt.

3.4.2. Antidote

Das Zentrum ist nicht direkt an der Verteilung von Antidoten beteiligt, hilft allerdings mit Informationen über räumlich nahe gelegene Antidotdepots.

3.4.3. Art der Informationen

Informationen werden sowohl medizinischem Fachpersonal, wie auch der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Das Giftinformationszentrum-Nord ist 24 Stunden täglich mit ärztlichen Giftberaterinnen und beratern besetzt.

3.4.4. Versorgte Bevölkerung

In den 4 Vertragsländern leben zur Zeit ca. 12,6 Millionen Menschen.

16 % der Anrufe kommen aus anderen Bundesländern und aus dem Ausland.

3.5. Informationsquellen

Die Quellen für Produktinformationen des Giftinformationszentrums-Nord sind in folgender Tabelle dargestellt: 



 
Medikamente
Produkte zum ge-
werblichen Gebrauch
Haushaltsprodukte 
 Kosmetika
Nahrungsmittel 
Freiwillige Mel-
dung der Industrie an das Zentrum
Ja
Ja
Ja 
Ja
Ja
Datenquellen im Internet
Ja
Ja
Ja
Ja
Ja
Gesetzliche Mel-
dung der Industrie an das BgVV*
Ja
Ja
Freiwillige Meldung an das BgVV*
 
Ja
Ja
Ja
Ja
Kommerzielle Informationsangebote
Ja

* BgVV = Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin Berlin

                             
                                                               
                                                                   
                                                                        
Auf freiwilliger Basis werden von Industrieunternehmen aus den Vertragsländern dem GIZ-Nord Sicherheitsdatenblätter zu Verfügung gestellt. Auf einem Großteil dieser Sicherheitsdatenblätter wird das GIZ-Nord als Notfall-Ansprechpartner genannt. Diese Dienstleistung erfolgte für Firmen mit Sitz im Gebiet der Vertragsländer des GIZ-Nord unentgeltlich.

Versorgung des Zentrums mit Produktinformationen: 


                   Medikamente     Produkte zum   Haushaltsprodu Kosmetika      
                                   gewerblichen   kte                           
                                   Gebrauch                                     

 Lokal                   Ja          Teilweise      Teilweise          Ja       

 Bundesweit              Ja          Teilweise      Teilweise          Ja       

 EU-weit                 Ja          Teilweise      Teilweise         Nein

4. Anfragestatistik

4.1. Gesamtzahl aller Anfragen: 21965

4.2. Monatliche Variation (Anzahl der Anfragen):

Januar   1574                   Juli               2146 

Februar  1621                   August             2047 

März     1781                   September          2234 

April    1675                   Oktober            1844 

Mai      1875                   November           1666 

Juni     1978                   Dezember           1524

4.3. Übermittlungswege der Anfragen (Anzahl)
Telefon: 21898

Brief / Fax / eMail: 65

persönlicher Besuch: 2

4.4. Gründe für die Anfragen und Gruppen von Anfragenden (Anzahl)


                       Art der Anfrage                                         

Art der Anfragerin /   Tatsächliche oder   Informationsanfrage Gesamtergebnis  
des Anfragers          vermutete                                               
                       Vergiftung                                              

Allgemeine             9653                1420                11073           
Öffentlichkeit                                                                 

Ärztin / Arzt          9914                733                 10647           

andere Heilberufe      164                 81                  245             

Gesamtergebnis         19731               2234                21965

5. Vergiftungsfälle

Alle folgenden Angaben beziehen sich auf Vergiftungsfälle, an denen das GIZ-Nord durch Beratung beteiligt war.

Bei der Dokumentation von Beratungsfällen wurden alle von den Anfragenden genannten Vergiftungsursachen EDV-technisch erfaßt. Dabei handelt es sich um Produkte und ihre Inhaltsstoffe sowie biologische Organismen. Alle Vergiftungsursachen werden im folgenden zusammenfassend als Noxen bezeichnet. Für die hier durchgeführten Auswertungen wurde jeweils nur eine Noxe verwandt. Bei einer Vergiftung mit mehreren Substanzen wird der Vergiftungsfall unter die - nach Einschätzung der Beratenden - gefährlichste Noxe eingruppiert.

Die Auswertung der Vergiftungsfälle bezieht sich auf die von den Beraterinnen und Beratern erstellten Beratungsprotokolle. Die Anzahl der Vergiftungsfälle in diesem Kapitel unterscheidet sich in mehrfacher Weise von der Anzahl der Anfragen, wie sie in Kapitel 4 ausgewertet wurden:

5.1. Menschliche Vergiftungen und menschliche Vergiftungsverdachtsfälle

Gesamtzahl der menschlichen Vergiftungen und

menschlichen Vergiftungsverdachtsfälle: 20080

Die Zahl beinhaltet keine Tiervergiftungen (vgl. Kap. 5.2).
 

5.1.1. Geschlecht der Betroffenen (Anzahl)

männlich:        7913 

weiblich:        8640 

unbekannt:       3527
bei den weiblichen Betroffenen wurden erfaßt:
Schwangere:        74 

Stillende:         20


5.1.2. / 5.1.3. Vergiftungsursachen und Altersgruppen

Die hier wiedergegebene Tabelle gibt einen Überblick auf die Verteilung der Vergiftungen auf verschiedene Noxengruppen. Eine weitaus detaillierter Aufstellung findet sich im Anhang 1 (auch zugreifbar über das Internetangebot des GIZ-Nord). Über die Angaben im offiziellen Jahresberichtsformat hinaus enthält diese Liste detaillierte Informationen über eine Schweregrad-Einstufung der Vergiftungen (vgl. Kap. 5.1.6.).

Alle Noxen wurden dazu in ein dreistufiges, hierarchisches Kategorieschema einsortiert (Haupt-, Mittel- und Untergruppe, die hier wiedergegebene Tabelle enthält somit nur Angaben zur Hauptgruppenzuordnung der Noxen). Über die Anwendungkategorien hinaus (EVA-Code für chemische Produkte, Kosmetika und Pestizide sowie ATC-Code für Medikamente) wurden für 1998 erstmals eine Kategorisierung der Vergiftungsfällen mit Pflanzen und Tieren nach biologisch-systematischen Kriterien (Taxa) durchgeführt.

Eine dreistufige Einteilung reicht für eine Darstellung aller relevanten biologischen Taxa bei weitem nicht aus. Für die Pflanzen (inkl. der Pilze) mußten daher botanische Abteilung, Unterabteilung und Klasse zur Mittelgruppe zusammengefaßt werden, die Familie bildet die Untergruppe. Der Übersichtlichkeit wegen wurden Unterklassen und Ordnungen nur zur Anordnung der Pflanzenfamilien in der Tabelle genutzt aber dort nicht explizit genannt. Für Tiere wurde der Tierstamm als Mittelgruppe gewählt, die Klasse als Untergruppe. Für die Anordnung der Tierklassen in der Tabelle waren auch hier Verwandschaftsbeziehungen ausschlaggebend.

Detaillierte Auswertungen zu allen Noxengruppen oder Betroffenengruppen wurden und werden laufend auf gezielte Anfragen hin erstellt. Ausgewählte Zusatzauswertungen sollen künftig im Internet zur Einsicht bereitgestellt werden.

Noxen und Altersgruppen der Betroffenen (Übersicht)


Summe - PAT_ZAHL      Altersgruppen                                                          

Hauptgruppe           Kind <1    1-4  5-9  10-14 15-19 20-49 50-6 >70  Erwach nicht  Gesamte 
                                                             9         sener  bekann rgebnis 
                      o.a.                                             o.a.   t              
                                                                                             

1: Arzneimittel         41   167 1972  217   184   672  2752  557  268    607    379    7816 

2: Tierarzneimittel      0     1   21    2     0     1     8    2    1      5      1      42 

3: Chemische            70   260 2087  199    96   101   551  135   67    414    553    4533 
Produkte                                                                                     

4:                      14    64  579   37    17     9    36   12   32     33     13     846 
Kosmetika/Hygieneprod                                                                        
ukte                                                                                         

5: Pestizide             8    25  187   30     4     9    99   53   18     70    137     640 

6: Agrochemikalien       5    30  109   13     2     1    12    7    2      5      7     193 
(außer Pestizide)                                                                            

7: Drogen                0     0    3    0     9    54    85    1    0     21     13     186 

8: Pflanzen             44   451 1272  260    51    22    66   21    6     54    162    2409 

9: Pilze                12     8  114   15     8    12    47   23    8     47     78     372 

10: Tiere                3     2   20   13     8     7    29    5    3     39     30     159 

11: Nahrungs-und        13   132  467   47    28    31   135   47   12    157    199    1268 
Genußmittel                                                    &nb  3     13      56 

13: Umwelt               6    34  100   25    17    13    38   10    1     53     74     371 
(eindeutige                                                                                  
Zuordnung unmöglich)                                                                         

14: Grundsubstanzen      7    48  221   41    19    32   219   48   14    104    167     920 
(Stoffe ohne def.                                                                            
Anw.-Geb.)                                                                                   

15: Produkt nicht        2    28   85   11     2     0    15    7    2     27     46     225 
zugeordnet                                                                                   

0: kein Produkt          0     1    8    0     0     0     7    2    0      0     26      44 

Gesamtergebnis         226  1254 7253  915   448   971  4109  932  435    1639  1898   20080

5.1.4. Vergiftungsort


                            Anzahl      

Haushalt:                   13316       

Arbeitsplatz (gewerblich):  622         

Kindergarten:               143         

Schulen:                    112         

Krankenhaus:                211         

Justizvollzugsanstalten:    10          

Unbekannt:                  4906        

Andere:                     760         

Anzahl aller                20080       
Vergiftungsfälle

5.1.5. Vergiftungsumstände


                            Anzahl               

Akzidentell                 12940                

Beabsichtigt                                     

Suizidal                    4300                 

Abusus                      505                  

Fremdbeibringung            73                   

Unerwünschte Reaktion auf                        

Medikament                  367                  

Nahrungsmittel              unter akzidentell    
                            erfaßt               

Andere                                           

Andere                      619                  

Unbekannt                   1276                 

Anzahl aller                20080                
Vergiftungsfälle

5.1.6. Geschätzte Schweregrade

Die Schwere der Vergiftungsfälle wurde erfaßt, wie sie zum Zeitpunkt der Anfrage eingeschätzt wurde. 
vermutetes Risiko                         Anzahl                             

nicht eingestuft                          4559                               

   davon: nicht dokumentiert              2197                               

               nicht beurteilbar          2362                               

keine Kausalität                          68                                 

nicht toxisch oder symptomlos             7796                               

wahrscheinlich nicht toxisch (leichte     5394                               
Symptome)                                                                    

Vergiftung möglich oder manifeste         2263                               
Vergiftung                                                                   

  davon: mittlere Symptome                1656                               

              schwere Symptome            607                                

Anzahl aller Vergiftungsfälle             20080

Noxen und Gewichtung der Intoxikationen (Übersicht)


Summe - PAT_ZAHL           GEWICHTUNG                                            

Hauptgruppe                gest schwer mitte leich sym-pt nicht   nicht  Gesamte 
                           orbe        l     t     omlos  doku-me beurte rgebnis 
                           n                              ntiert  il-bar         

1: Arzneimittel              13    498  1234  2440   2057     821    753    7816 

2: Tierarzneimittel           0      0     2    15     17       4      4      42 

3: Chemische Produkte         7     41   133  1208   2273     394    477    4533 

4:                            1      1    11   248    465      61     59     846 
Kosmetika/Hygieneprodukte                                                        

5: Pestizide                  3     18    19   132    192     124    152     640 

6: Agrochemikalien (außer     0      0     1    30    138      16      8     193 
Pestizide)                                                                       

7: Drogen                     1      8    26    67     17      29     38     186 

8: Pflanzen                   0      6    80   449   1385     251    238    2409 

9: Pilze                      0     10    22    66     82      70    122     372 

10: Tiere                     0      3     9    61     27      29     30     159 

11: Nahrungs-und              0     13    40   320    533     116    246    1268 
Genußmittel                                                                      

12: Waffen                    0      1     4    34     11       1      5      56 

13: Umwelt (eindeutige        0      0     6    63    188      45     69     371 
Zuordnung unmöglich)                                                             

14: Grundsubstanzen           1      7    65   249    333     152    113     920 
(Stoffe ohne def.                                                                
Anw.-Geb.)                                                                       

15: Produkt nicht             0      0     7    35     87      31     65     225 
zugeordnet                                                                       

0: kein Produkt               0      1     1     2     10      27      3      44 

Gesamtergebnis               26    607  1660  5419   7815    2171   2382   20080

Eine detaillierte Darstellung für die einzelnen Noxengruppen ist im Anhang zu Kapitel 5.1.2 (Vergiftungsursachen und Altersgruppen) angefügt.

5.1.7. Behandlung

(diese Informationen wurden nicht Bundesland-spezifisch erfaßt. Es sind die Werte für alle Bundesländer genannt.) 
Schriftliches Follow-up angefordert                           186
Gesamtzahl der erfaßten Fälle mit erfolgreichem               108            
schriftlichem Follow up:                                
 


    Art der Behandlung             Anzahl der Fälle in 1998         

                              empfohlene Behandlung   durchgeführte  
                                                        Behandlung   

                            alle Fälle    Fälle mit      Fälle mit    
                                          follow up      follow up    

Empfehlung nicht gegeben         *              *              0 

keine                                                         11 

symptomatisch und                *              *             14 
unterstützend                                                         

Giftentfernung (alle             *              *             77 
Methoden)                                                             

- Verhinderung der               *              *             77 
Absorption                                                            

- Aktivkohle oder andere         *              *             70 
Sorbentien (unspezifische                                             
Antidote)                                                             

- Elimination (z.B.              *              *              * 
Hämodialyse,                                                          
Hämoperfusion)                                                        

spezifische Antidote             *              *             24


Fälle mit telefonischem Follow-up *                          831

*: Daten nicht strukturiert erfaßt
 

5.2. Tiervergiftungen
Insgesamt wurden 317 Vergiftungsfälle und Vergiftungsverdachtsfälle bei Tieren im Jahr 1998 beraten.

Tierart                             Anzahl  

Hund                                199     

Katze                               52      

Pferd                               18      

Schaf                               0       

Rind                                1       

andere                              47      

Anzahl aller Vergiftungsfälle mit   317     
Tieren
 

6. Informationsanfragen ohne Vergiftungsfälle

Diese Angaben beziehen sich auf Anfragen, die nicht im Zusammenhang mit einem akuten Vergiftungs- oder Vergiftungsverdachtsfall stehen.


Anzahl  Identifizierung eines unbekannten Tieres                                 2  Identifizierung eines unbekannten pharmazeutischen Produktes            34  Zusammensetzung eines Produktes                                         23  Information zu Lebensmittelzusätzen                                      4  Umweltgifte                                                             30  Pflanzliche oder "natürliche" (aber keine pharmazeutischen)            177  Produkte                                                                    Laboranalysen                                                           45  Drogenberatung                                                          16  Toxizität spezifischer Noxen                                           151  Wirkung von Medikamenten, Nahrungs- und Genußmitteln                    76  Epidemologische Anfragen zu spezifischen Noxen                          28  Medikation in Schwangerschaft oder Stillzeit                            69  Toxikologische Anfragen, nicht näher spezifiziert                     1277  Andere                                                                 282  Anzahl aller Informationsanfragen                                     2214

7. Toxikologische Analysen

Das Giftinformationszentrum-Nord führte selbst keine toxikologischen Analysen durch, arbeitet in dieser Hinsicht allerdings eng mit der Arbeitsgruppe "klinische-toxikologische Dienstleistungen" der Universität Göttingen zusammen, die einen eigenen Jahresbericht erstellt.
(http://regulus.pharbp.med.uni-goettingen.de/klintox/zaklinto.htm).

8. Weitere Ergänzungen

Auf diesen Bericht, seinen Anhang vorhergehende Jahresberichte und weitere detaillierte statistische Informationen kann über die Homepage des GIZ-Nord im Internet online zugegriffen werden:

http://www.giz-nord.de .

In der nachfolgenden Tabelle ist die Aufteilung der Herkunft der Anfragen auf die Bundesländer für 1998 dargestellt.

Land                       Anfragen     Anteil        Anteil     
                                                  Vertragsländer 
                                                                 

Schleswig-Holstein           3248        14,8%       17,6%          

Hamburg                      3658        16,7%       19,8%          

Niedersachsen                10294       46,9%       55,9%          

Bremen                       1229        5,6%        6,7%           

Nordrhein-Westfalen          972         4,4%                       

Hessen                       962         4,4%                       

Rheinland-Pfalz              45          0,2%                       

Baden-Württemberg            72          0,3%                       

Bayern                       147         0,7%                       

Saarland                     27          0,1%                       

Berlin                       36          0,2%                       

Brandenburg                  14          0,1%                       

Mecklenburg-Vorpommern       39          0,2%                       

Sachsen                      45          0,2%                       

Sachsen-Anhalt               48          0,2%                       

Thüringen                    51          0,2%                       

ohne Angaben oder            1078        4,9%                       
Ausland                                                          

Summe                        21965       100,0%                     

Summe Vertr.-Länd.           18429       83,9%       100,0%

Einzelfallberichte

Zur Illustration besonderer Vergiftungsgefahren sind einige ausgewählte Fallberichte, vorwiegend mit schwerer Symptomatik, im folgenden kurz skizziert.

Narzissenzwiebel

#56983/Re

Eine einzelne Narzissenzwiebel wurde anstatt einer Küchenzwiebel im Eintopf gegart. Drei Personen aßen vom Eintopf: Eine erwachsene Frau, die nur sehr wenig gegessen hatte, entwickelte Übelkeit; ein erwachsener Mann entwickelte ebenfalls Übelkeit und erbrach einmalig; ein 2jähriger Junge, der nur vom Sud gegessen hatte, erbrach dreimal und hatte am nächsten Morgen Durchfall.

Kohlenmonoxid

#56736/St

Der Notarzt wurde zu einem Jugendlichen gerufen, den die Eltern komatös im Badezimmer aufgefunden hatten. Beim Eintreffen des Arztes war der Patient schläfrig, die sonstige körperliche Untersuchung ergab keine auffälligen Befunde. Die arterielle Sauerstoffsättigung war mit 85 % (pulsoximetrisch) deutlich vermindert. Unter Sauerstoffgabe über Nasensonde wurde der Patient schnell symptomlos.

Es wurde der Verdacht auf eine Kohlenmonoxid-Vergiftung durch den im Bad befindlichen gasbetriebenen Warmwasserbereiter geäußert. In der Badezimmerluft wurde später eine erhöhte Kohlenmonoxid-Konzentrationen gemessen. Die Mutter des Patienten befand sich in neurologischer Behandlung, weil sie im Bad bereits mehrfach bewußtlos geworden war.

Kreuzotter

#50232/Mü

Ein 28jähriger Mann wurde von einer Kreuzotter ins Mittelglied des rechten Mittelfingers gebissen. Schnell kam es zu einer rasch zunehmenden Schwellung der Hand und des Unterarmes mit Kompartment-Syndrom, so dass eine Spaltung der Muskelfaszien in diesem Bereich erforderlich war. An der Bißstelle bestand eine lokale Gewebezerstörung (Nekrose), die im Rahmen der weiteren Behandlung mit einer Spalthautplastik gedeckt werden mußte. Ein Antiserum wurde nicht verabreicht. Die Wundheilung wurde durch eine lokale Infektion verzögert.

Ätherisches Öl

#46493/HeCl

Einem 8 Wochen-alten Säugling (4,8 kg) wurde ca. 0,5 g einer Mischung verschiedener ätherischer Öle (Ol. Thymii, Ol. Eucalypti, Ol. Menthae pip., Ol. Pini pumillo) anstelle von Nasentropfen verabreicht. Dies entspricht einer Dosis von ca. 100 mg ätherisches Öl/kg Körpergewicht. Kurze Zeit später ist das Kind nach Angabe der Mutter "blau angelaufen", zusätzlich bestand ein beschleunigter Puls (ca. 177/min). 45 min später erfolgte die Aufnahme in einer Klinik. Dem Kind wurde Sauerstoff gegeben, eine bläulich blasse Gesichtsfarbe war jetzt nicht mehr zu beobachten. Die Pulsbeschleuigung hielt für ca. 5 Stunden an und klang dann ohne Therapie ab. Der weitere klinische Verlauf, eine Röntgenuntersuchung des Brustraumes und eine HNO-ärztliche Untersuchung waren unauffällig. Der kleine Patient konnte am folgenden Tag beschwerdefrei entlassen werden. Möglicherweise war eine Einengung des Kehlkopfes durch einen Muskelkrampf (Laryngospasmus) die Ursache der anfänglichen Atmungsstörung.

Zigaretten

#35384/HeCl

Ein Kleinkind, 18 Monate alt, hatte an einem Glas mit einem "Zigarettenaufguß" ein- bis zweimal genippt: Dieser enthielt 15 Kippen in Wasser und hatte wohl einige Tage in der Wohnung gestanden. 30 Minuten später wurde das Kind blaß, kaltschweißig, schläfrig und konnte nicht mehr stehen. Es wurde in eine Klinik gebracht. Dort war das Kind noch immer blaß, hatte eine Pulsfrequenz von 180/min, war aber nicht weiter schläfrig. Mittlerweile hatte es reichlich spontan erbrochen. Ihm wurde medizinische Kohle verabreicht. Vier Stunden später war das Kind wieder völlig beschwerdefrei.

Formaldehyd

#33800/HeCl

Eine 70jährige Patientin trank 1-2 Schlucke einer Formaldehydlösung unbekannter Konzentration aus einer Doppelkornflasche und hatte sofort heftige Schmerzen. Zum Zeitpunkt der Aufnahme im Krankenhaus war die Zunge weißlich belegt, die Patientin hatte zudem schaumig und blutig erbrochen. Bei einer endoskopischen Untersuchung zeigten sich ausgedehnte Schleimhautschäden hauptsächlich im Magen. Im weiteren Verlauf entwickelte sich eine gefährliche Entzündung des Bauchraumes (Durchwanderungsperitonitis). Auch in der Luftröhre fanden sich Verätzungen. Es kam in der Folge mehrfach zu Lungenentzündungen. Auf Grund der schweren Schäden der Magenwand mußte eine Magenresektion durchgeführt werden. Sechs Wochen nach dem Ereignis war die Patientin noch immer in stationärer Behandlung.

Tollkirsche

#58692/Eb

Ein 25jähriger Mann sammelte im Spätsommer Schlehenbeeren und legte sie in Alkohol ein. Dieser aufgesetzte Schnaps schien ihm im Dezember ausgereift. Er filtrierte ihn und probierte zwei Gläser. Schon kurze Zeit später wurde er stark verwirrt und mit weiten Pupillen ins örtlichen Krankenhaus eingeliefert.

Wegen der ausgeprägten anticholinergen Symptomatik erhielt der Patient 2 mg Physostigmin, woraufhin sich sein Zustand rasch besserte. Am nächsten Tag konnte er beschwerdefrei entlassen werden.

Eine Untersuchung von Blut-, Urin- und Getränkeproben erfolgte leider nicht. Da jedoch die Vergiftungszeichen denen einer typische Atropinvergiftung entsprachen, kann man vermuten, daß dem Herrn beim Beerensammeln einige Tollkirschen untergekommen waren.

Für medizinisches Fachpersonal liegt als Anlage 2 zu diesem Jahresbericht eine Sammlung weiterer Fallberichte vor, die beim GIZ-Nord angefordert werden kann. Diese Sammlung umfaßt auch eine Kurzbeschreibung der meisten Vergiftungs-Todesfälle aus dem Jahr 1998.