Giftinformationszentrum-Nord der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein

c/o Zentrum Pharmakologie und Toxikologie, Universität Göttingen, Robert-Koch-Str. 40, D-37075 Göttingen

Jahresbericht 1996

Bericht für Anfragen nur aus Bremen

(Übersetzter Auszug aus:

Harmonized Annual Report 1996, prepared corresponding to the proposal for an update of Annex II to Council Resolution 90/C329/03-Revised 24 November 1995-;
der Originalbericht sowie Teilberichte über die einzelnen Bundesländer sind über das Internet-Angebot des GIZ-Nord zugänglich)

1. Identifizierung der Institution

Name der Institution:

Giftinformationszentrum-Nord der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein

Postadresse:

Giftinformationszentrum-Nord

der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein (GIZ-Nord)

Zentrum Pharmakologie und Toxikologie

Universität Göttingen

Robert-Koch-Straße 40

D-37075 Göttingen

Bundesrepublik Deutschland / Federal Republic of Germany

Telekommunikationsnummern und Adressen:

Telefon: +49-551-383180, Telefax: +49-551-3831881

Internet, E-mail number:

Internet, www-homepage: http://www-giznord.pharpt1.med.uni-goettingen.de

Leiter des Zentrums:

Prof. Dr. G. F. Kahl, Zentrum Pharmakologie und Toxikologie der Universität Göttingen, Robert-Koch-Str. 40, 37075 Göttingen

2. Jahr

Dieser Jahresbericht bezieht sich auf das Jahr: 1996

3. Administrative Informationen

3.1. Institution

Das Zentrum ist Teil der Universität Göttingen, lokalisiert im Göttinger Universitätsklinikum.

3.2. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Insgesamt arbeiteten am 31.12.96 11 Personen auf 7,75 Vollzeitstellen im Giftinformationszentrum-Nord.
Anzahl Vollzeit-Äquivalente
Beratung Verwaltung und Anderes
ärztliche Berater(innen) 5,5

Systemspezialist EDV
1
Verwaltungskräfte 0,75
Chemiker 0,5

3.3. Zentrumsetat

Das Zentrum besitzt seinen eigenen Etat.

Die Etatmittel werden zu 100% von den Vertragsländern bereitgestellt.

3.4. Tätigkeit des Zentrums

3.4.1. Überblick

Das Giftinformationszentrum-Nord arbeitet eng mit der Arbeitsgruppe klinisch-toxikologische Dienstleistung zusammen. In dieser Arbeitsgruppe werden toxikologische Analysen für Patienten des Klinikums und räumlich nahe gelegener Krankenhäuser durchgeführt.

3.4.2. Antidote

Das Zentrum ist nicht direkt an der Verteilung von Antidoten beteiligt, hilft allerdings mit Informationen über räumlich nahe Antidotdepots.

3.4.3. Art der Informationen

Informationen werden sowohl medizinischem Fachpersonal, wie auch der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Das Giftinformationszentrum-Nord ist 24 Stunden täglich mit ärztlichen Giftberaterinnen und -beratern besetzt.

3.4.4. Versorgte Bevölkerung

In den 4 Vertragsländern leben zusammen ca. 12,6 Millionen Einwohner; in der freien Hansestadt Bremen leben zur Zeit 0,55 Millionen Menschen.

16 % der Anrufe kommen aus anderen Bundesländern und aus dem Ausland.

3.5. Informationsquellen

Die Quellen für Produktionformationen des Giftinformationszentrums-Nord sind in folgender Tabelle dargestellt:
Medikamente
Produkte zum gewerblichen Gebrauch Haushalts-produkte Kosmetika Nahrungs-mittel
Freiwillige Meldung der Industrie an das Zentrum Ja Ja Ja Ja Ja
Gesetzliche Meldung der Industrie an das BgVV* Ja Ja Ja Ja
Freiwillige Meldungen an das BgVV* Ja Ja Ja Ja Ja

* BgVV = Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin, Berlin

Auf freiwilliger Basis werden von Industrieunternehmen aus den Vertragsländern dem GIZ-Nord Sicherheitsdatenblätter zu Verfügung gestellt. Auf einem Großteil dieser Sicherheitsdatenblätter wird das GIZ-Nord als Notfall-Ansprechpartner genannt.

Versorgung des Zentrums mit Produktinformationen:
Medikamente
Produkte zum gewerblichen Gebrauch Haushaltsprodukte Kosmetika
Lokal Ja Ja Ja Ja
Bundesweit Ja Ja Ja Ja
EU-weit Ja Nein Nein Nein

4. Anfragestatistik

4.1. Gesamtzahl aller Anfragen: 896

4.2. Monatliche Variation (Anzahl der Anfragen):

Januar 37 Juli 76
Februar 49 August 105
März 75 September 82
April 61 Oktober 112
Mai 76 November 88
Juni 54 Dezember 81

4.3. Übermittlungswege der Anfragen (Anzahl)

Telefon: Nicht erfaßt

Brief / Fax: Nicht erfaßt

persönlicher Besuch: Nicht erfaßt

4.4. Gründe der Anfragen und Art der Anfrager (Anzahl)

Art der Anfrage
Art des Anfragers Tatsächliche oder vermutete Vergiftung Informationsanfrage Gesamtergebnis
Allgemeine Öffentlichkeit 259 33 292
Arzt 579 19 598
andere Heilberufe 5 1 6
Gesamtergebnis 843 53 896

5. Vergiftungsfälle

Alle folgenden Angaben beziehen sich auf die Anzahl der Vergiftungsfälle.

5.1. Menschliche Vergiftungen und menschliche Vergiftungsverdachtsfälle

Gesamtzahl der menschlichen Vergiftungen und

menschlichen Vergiftungsverdachtsfälle: 841

Diese Zahl beinhaltet nicht die reinen Informationsanfragen und keine Tiervergiftungen.

5.1.1. Geschlecht der Betroffenen (Anzahl)

männlich: 302
weiblich: 356
unbekannt: 183

Die Anzahl von Schwangeren oder stillenden Müttern wurde nicht gesondert erfasst.

5.1.2. Vergiftungsursachen und Altersgruppen

Teil 1

Teil 2

5.1.3 Altersgruppe

Die Altersgruppen der Betroffenen werden in der Tabelle im Anhang angegeben.

5.1.4. Vergiftungsort

Anzahl
Haushalt: nicht erfaßt
Arbeitsplatz (gewerblich): 8
Kindergarten: nicht erfaßt
Schulen: nicht erfaßt
Krankenhaus: nicht erfaßt
Justizvollzugsanstalten nicht erfaßt
Unbekannt: 91
Andere: 833
Anzahl aller Vergiftungsfälle 841

5.1.5. Vergiftungsumstände

Anzahl
Akzidentell 378
Beabsichtigt
Suizidal 304
Abusus 28
Kriminell 1
Unerwünschte Reaktion auf
Medikament 7
Nahrungsmittel
Andere
Andere 32
Unbekannt 91
Anzahl aller Vergiftungsfälle 841

5.1.6. Geschätze Schweregrade

In der folgenden Tabelle wurde die Schwere der Vergiftungsfällen erfasst, wie sie zum Zeitpunkt der Anfrage eingeschätzt wurde. (In Klammern steht die genaue Bezeichnung der Klassifizierung, wie sie vom GIZ-Nord verwendet wird)
Schwere der Vergiftung Anzahl
nicht dokumentiert 171
kein Zusammenhang 58
nicht toxisch (symptomlos) 236
wahrscheinlich nicht toxisch (leichte Symptome) 213
Vergiftung möglich (mittlere Symptome) 129
manifeste Vergiftung (schwere Symptome) 33
Anzahl aller Vergiftungsfälle 841

5.2. Tiervergiftungen

Insgesamt wurden 3 Vergiftungsfälle und Vergiftungsverdachtsfälle bei Tieren beraten.

6. Informationsanfragen ohne Vergiftungsfälle

Diese Angaben beziehen sich auf Anfragen die nicht im Zusammenhang mit einem akuten Vergiftungs- oder Vergiftungsverdachtsfall stehen. Insgesamt wurden 53 Informationsanfragen beantwortet. Die Ursachen der Anfragen wurden bisher nicht systematisch erfasst.

Grund der Informationsanfrage Anzahl
Identifizierung eines unbekannten Tieres nicht erfaßt
Identifizierung eines unbekannten pharmazeutischen Produktes nicht erfaßt
Zusammensetzung eines Produktes nicht erfaßt
Information zu Lebensmittelzusätzen nicht erfaßt
Umweltgifte nicht erfaßt
Pflanzliche oder "natürliche" (aber keine pharmazeutischen) Produkte nicht erfaßt
Laboranalysen betreffend nicht erfaßt
Drogenberatung nicht erfaßt
Pharmakologische / toxikologische Anfragen 41
Andere 12
Anzahl aller Informationsanfragen 53

7. Toxikologische Analysen

Das Giftinformationszentrum-Nord führte selbst keine toxikologischen Analysen durch, arbeitet in dieser Hinsicht allerdings eng mit der Arbeitsgruppe klinische-toxikologische Dienstleistungen der Universität Göttingen zusammen (s.o.).

8. Weitere Ergänzungen

Das Giftinformationszentrum-Nord (GIZ-Nord) hat als offiziell benanntes Giftinformationszentrum für die Bundesländer Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen am 01.01.1996 seine Arbeit aufgenommen.

Räumlich und organisatorisch eingebunden ist das GIZ-Nord in das Zentrum Pharmakologie und Toxikologie im Klinikum der Universität Göttingen. Sehr enge Kontakte wurden zur seit nunmehr acht Jahren bestehenden Arbeitsgruppe klinisch-toxikologische Dienstleistungen, zur Abteilung Toxikologie und den Kliniken im Hause geknüpft.

Das Personal besteht aus einem Team von sechs ärztlichen Beraterinnen und Beratern, unterstützt von einem EDV-Systemspezialisten sowie einem Chemiker (Teilzeit) und einer Verwaltungskraft (Teilzeit).

Das GIZ-Nord verfügt über drei Räume, die mit einem modernen Computernetzwerk ausgestattet sind, wodurch an jedem Arbeitsplatz Zugriff auf mehrere toxikologische und pharmakologische Datenbanken sowie das zentrumseigene Dokumentations- und Informations-System besteht. Netzverbindungen existieren zum Kliniksnetz mit Zugriff auf die lokalen Bibliotheksdatenbanksysteme und über DATEX-P und T­online zu kommerziellen DB-Anbietern und zum Internet.

Zur Jahresmitte 1996 wurde die Fachöffentlichkeit durch Faltblätter und Presseveröffentlichungen informiert, z.Zt. läuft eine Informationsprojekt in Kinderarztpraxen. Die GIZ-Nord-Internet-Homepage ist - mit noch beschränktem Angebot - erreichbar unter
http://www-giznord.PharPT1.med.Uni-goettingen.de .

Das Beratungsangebot des GIZ-Nord wurde von Beginn an gut in Anspruch genommen, die vorbestehenden Beratungsstellen in den Trägerländern haben Ende 1995 ihre Beratungstätigkeit eingestellt und haben Anrufer an das GIZ-Nord verwiesen. Somit konnten bereits im Januar 1996 mehr als 800 Anfragen beantwortet werden. In den Folgemonaten steigerte sich diese Zahl auf ein Maximum von monatlich über 1600 Anfragen in den Herbstmonaten. Insgesamt wurden im ersten Jahr 16062 Anfragen bearbeitet. 85 % der Anfragen kamen aus den das GIZ-Nord tragenden Bundesländern.

Das GIZ-Nord arbeitete im ersten Jahr mit etwa dreißig verschiedenen Firmen (ausschließlich aus den Vertragsländern) zusammen, die ihre Rezepturen oder Sicherheitsdatenblätter im GIZ-Nord hinterlegen und aktualisieren und die Telefonnummer des GIZ-Nord (kostenlos) auf ihren Sicherheitdatenblättern angeben. Dabei wird zumindest bei größeren Firmen ein Datentransfer in papierloser Form bevorzugt.

Alle Beratungen wurden mit einem Kerndatensatz erfaßt, wodurch eine Auswertung nach den Kriterien des harmonisierten EU-Berichtes für das erste Jahr durchgeführt werden konnte Dieser Bericht ist über die Homepage des GIZ-Nord im Internet einsehbar.

In der nachfolgenden Tabelle ist die Aufteilung der Herkunft der Anfragen auf die Bundesländer dargestellt.


Land
Anfragen
Anteil (%)
Anteil VL
Schleswig-Holstein
2226
13,9%
16,5%
Hamburg
3129
19,5%
23,2%
Niedersachsen
7210
44,9%
53,6%
Bremen
896
5,6%
6,7%
Nordrhein-Westfalen
633
3,9%
Hessen
581
3,6%
Rheinland-Pfalz
25
0,2%
Baden-Württemberg
117
0,7%
Bayern
48
0,3%
Saarland
2
0,0%
Berlin
13
0,1%
Brandenburg
14
0,1%
Mecklenburg-Vorpommern
46
0,3%
Sachsen
32
0,2%
Sachsen-Anhalt
53
0,3%
Thüringen
33
0,2%
ohne Angaben
1004
6,3%
Summe
16062
Summe Vertr.-Länd.
13461