Giftinformationszentrum-Nord (GIZ-Nord)

der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein

Robert-Koch-Str. 40, D-37075 Göttingen

Telefon 0551 / 19 240

Telefax 0551 / 3831881


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Gefahr durch Vergiftungen bei Kleinkindern

Kleine Kinder sind häufig von Vergiftungen betroffen. In einer Aufschlüsselung der bei uns gesammelten Vergiftungsanfragen zeigt sich, daß vorwiegend die Kinder im Alter von ein bis vier Jahren zum Verzehr ungeeignete Produkte zu sich nehmen.

Dies ist nicht verwunderlich, da sie auf ihren Entdeckungsreisen bekanntlich alles Erreichbare mit dem Mund probieren. Dazu gehören Haushaltschemikalien ebenso wie Medikamente (z.B. farbige Tabletten der Großeltern) und Pflanzenteile.

Medikamente sind besonders gefährlich. Aufgrund des geringeren Körpergewichtes der Kinder und infolge entwicklungsbedingter Besonderheiten des Stoffwechsels kommt es nicht selten zu erheblichen Gefährdungen.

Etwas ältere Kinder verschlucken hin und wieder Pflegemittel und Kosmetika, weil diese in Farbe, Geruch und Verpackung Lebensmitteln sehr ähneln können.

Vergiftungen durch Tiere (Schlangen, giftige Insekten) sind glücklicherweise in unseren Breiten eher selten. Die Giftwirkung kann wegen des geringeren Körpergewichtes der Kinder ausgeprägter sein als bei Erwachsenen.

Wichtig sind die Erstmaßnahmen: Was kann man tun?

Eine allgemeingültige Empfehlung für das Verhalten bei akuten Vergiftungen ist nicht möglich.

Die Umstände jeder Vergiftung sind anders: Es gibt eine Vielzahl von Substanzen, die in unterschiedlicher Menge und auf verschiedenen Wegen aufgenommen werden können. Darüber hinaus ist die Konstitution der betroffenen Kinder von großer Bedeutung.

Besonders wichtig ist es, mögliche Fehler zu vermeiden, die aus überlieferten, heute als falsch geltenden Behandlungsratschlägen erwachsen können.

Bei einem möglichen Vergiftungsfall sollten folgende Regeln eingehalten werden:

   Erste Hilfe und Wiederbelebungsmaßnahmen

     Ruhe bewahren.

Aufregung in der Umgebung von Kindern kann bewirken, daß verschluckte Substanzen wieder erbrochen werden. Dabei können sie in die Atemwege gelangen und dort schlimmere Wirkungen entfalten als im Magen (z. B. Lampenöl, Reinigungsmittel).

     Kein Erbrechen auslösen!

Es gibt nur wenige Vergiftungsfälle, bei denen eine frühzeitige Magenentleerung für den Verlauf wichtig ist.

Nach Aufnahme einiger Substanzen ist Erbrechen sogar gefährlich. Neben den obengenannten Lampenölen und Reinigungsmitteln gilt dies auch für Säuren und Laugen. Außerdem kann das Auslösen von Erbrechen durch das "Finger-in-den-Hals-stecken" auch bedrohliche Kreislaufreaktionen zur Folge haben (Vagusreiz).

Der Versuch, Erbrechen durch Einflößen von Salzwasser auszulösen, ist besonders bei Kindern gefährlich, da schon bei einer geringen Menge Kochsalzlösung und unvollständigem Erbrechen eine lebensbedrohliche Kochsalzvergiftung eintreten kann.

     Keine Milch zu trinken geben!

Die Zufuhr von Milch verbessert häufig die Aufnahme von Giften aus dem Darm, weil sich fettlösliche Giftstoffe in den feinverteilten Fetttröpfchen der Milch anreichern und anschließend mit ihnen gut aufgenommen werden.

     Bei Vergiftungszeichen: unverzüglich einen Arzt hinzuziehen

Wenn ein Kind sich nach einer Aufnahme möglicherweise schädigender Stoffe auffällig verhält, über Schmerzen oder andere Beschwerden klagt oder heftig hustet, sollte sofort ein Arzt gerufen oder aufgesucht werden.

      Giftinformationszentrum anrufen, z.B. 0551 - 19240

Giftinformationszentren, die es in allen Regionen Deutschlands gibt, können bei Vergiftungsfällen Betroffene und Beteiligte sowie Ärztinnen und Ärzte beraten. Es gibt in den Zentren Datenbanken, welche die Zusammensetzung vieler Produkte des täglichen Umgangs, gewerblicher Chemikalien und Erfahrungsberichte über Vergiftungen mit Medikamenten, Pflanzen, Pilzen sowie vielen anderen Stoffen vorhalten.

In jedem Zweifelsfall sollte das zuständige Giftinformationszentrum zu Rate gezogen werden. Sollte Ihr Zentrum nicht erreichbar sein, so rufen Sie ein anderes Giftinformationzentrum an.

      Vorsorge:

In vielen Fällen können wir bei einem Anruf Entwarnung geben. In vielen anderen, eher harmlosen Vergiftungsfällen können wir den Beteiligten Ratschläge zu einer einfachen Behandlung und Beobachtung des oder der Betroffenen geben. Um schnell handeln zu können, empfehlen wir Ihnen, medizinische Kohle (20 g) und ein flüssiges entschäumendes Medikament (Inhaltsstoff Dimeticon, fragen Sie in Ihrer Apotheke) in der Hausapotheke zu bevorraten, insbesondere wenn kleine Kinder in Ihrem Haushalt leben. Dadurch kann - insbesondere am späten Abend oder am Wochenende - gelegentlich ein Arztbesuch oder das Aufsuchen einer entfernten diensthabenden Apotheke vermieden werden.

Weiter empfehlen wir Ihnen, daß sie sich über die Namen der Pflanzen in Ihrem Haus und Ihrer Umgebung informieren, eine telefonische Notfallberatung ohne diese Angaben ist nur sehr begrenzt möglich.
 
alle Giftnotrufnummern in Deutschland:
Berlin 030/19240 oder 030/45053555
Bonn 
0228/19240
Erfurt 
0361/730730
Freiburg 
0761/19240
Göttingen 0551/19240
Homburg/S 06841/19240
Mainz 
06131/19240
München 089/19240
Nürnberg 0911/3982451