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Leistungsspektrum des Klinisch-toxikologischen Standardscreening aus einer Urinprobe mittels GC/MS


Stand 12. Juli 2006

Prinzipielle Begrenzung des Verfahrens:

  • Nur Substanzen, die zersetzungsfrei verdampft werden können (270 °C), es sei denn, sie bilden charakteristische Molekülbruchstücke (Artefakte).


Praktisch-technische Begrenzung des Verfahrens:

  • leichtflüchtige Stoffe (viele leichtflüchtige organische Lösemittel). Um diese Begrenzung zu umgehen, wird im Regelfall das hier beschriebene Urinscreening durch eine Screeninguntersuchung einer Serumprobe desselben Patienten auf leichtflüchtige Lösemittel ergänzt.

Insgesamt können mittels des Verfahrens ca. 150.000 verschiedene chemische Stoffe identifiziert werden. Davon haben schätzungsweise 3.000 bis 6.000 Relevanz für Vergiftungen bei Mensch und Tier.

Durch kontinuierliche Weiterentwicklung ändert sich das Spektrum der erfassbaren Substanzen laufend, insbesondere hinsichtlich neuer Arzneimittelwirkstoffe.

Im Folgenden wird eine Übersicht über häufig vorkommenden oder häufig nachgefragten Stoffe vorgestellt. Diese Übersicht wird laufend ergänzt und aktualisiert.

 

Durch das Standardscreeningverfahren werden erfasst:

viele toxische Pflanzeninhaltsstoffe, z.B.
  • Tropanalkaloide (Atropin/Hyoscyamin, Scopolamin)
  • Colchicin
  • Solanin
  • Strychnin
  • Terpene / ätherische Öle
viele toxische Pestizidwirkstoffe, z.B.
  • Alkylphosphate
  • Carbamate
  • Pyrethroide
  • Organochlor-Insektizide
  • Anticoagulanzien
  • Metaldehyd
  • viele Fungizide und Repellenzien
sehr viele (Tier-)Arzneimittelwirkstoffe
  • Ausnahmen: Lithium, hydrophile Antibiotika
Durch Spezialmethoden des eigenen Labors, nicht jedoch durch das Standardscreeningverfahren werden erfasst:
  • viele organische Lösemittel (VOCs)
  • Phosphan und Phosphide
  • salzartige organische Verbindungen: Oxalat, Glyphosat, Paraquat, Diquat
  • Ethylenglykol und niedermolekulare Glykolether (z.B. Bestandteile von Bremsflüssigkeiten/Hydraulikflüssigkeit)
  • cyanogene Glycoside (nur Vortest durch Gasspürröhrchen)
  • viele Antikoagulanzien ("Superwarfarine" = Wirkstoffe in Rattengiften)
  • verschiedene orale Antidiabeitka (Sulfonylharnstoffe, Metformin)
Nur durch Spezialmethoden, die nicht im eigenen Labor verfügbar sind, werden erfasst:
  • anorganische Verbindungen außer Phosphan (z.B. Kohlenmonoxid)
  • Schwermetalle (z.B. Selen, Nachweis in vielen klinisch-chemischen Laboren)
  • salzartige organische Verbindungen (außer Paraquat, Diquat, Oxalat, Glyphosat)
  • stark hydrophile organische Verbindungen (außer Ethylenglykol und niedermolekulare Glykolether)
  • Digitalisglykoside (Immuntest in vielen klinisch-chemischen Laboratorien verfügbar)
  • Taxane (aus Eibenarten)
  • Toxische Proteine (z.B. Botulinumtoxin, Ricin, Schlagengiftbestandteile)
  • cyanogene Glycoside (Alternativtest Gasspürröhrchen)