Drucken

Im Zeitraum 7. - 27.11.2012 wurde das Giftinformationszentrum-Nord und der Giftnotruf Berlin insgesamt 13 mal wegen einer Vergiftung kontaktiert, die in allen Fällen durch das Verzehren von Red Snapper (Lutjanus malabaricus) verursacht worden ist. Insgesamt waren 14 erwachsene Personen betroffen, alle hatten den Fisch am 7.11. oder wenige Tage danach frisch in den Filialen derselben Handelskette gekauft.


Die den Giftinformationszentren berichteten Vergiftungen traten in Hamburg (4), in der Umgebung von Kiel (3), Celle (3) und Bad Kreuznach (3) sowie in Mainz auf.

Die Patientinnen und Patienten litten alle zunächst unter Übelkeit, z. T. begleitet von Erbrechen oder Durchfall, die etwa 4 Stunden nach der Mahlzeit einsetzten. Begleitend entwickelte sich eine charakteristische Empfindungsstörung an der Haut: die Pat. gaben übereinstimmend ein Taubheitgefühl am Händen und Füße sowie eine Störung des Kalt-Warm-Empfindens an. Letztere Störung bliebt meist 3 Wochen und in einem Teil der Fälle auch länger erhalten (mit abnehmender Intensität). Durch diese Missempfindungen mitbedingt litten die meisten Pat. zudem unter Schlafstörungen. Zusätzlich traten oft  Muskelschmerzen und ausgeprägte, über einige Tage anhaltende körperliche Schwäche auf.

Aufgrund der charakteristischen Symptome konnte in der Mehrzahl der Fälle die Diagnose Ciguatera-Vergiftung frühzeitig gestellt werden, ein Teil der Patienten wurde jedoch erst nach Publikation der Vorkommnisse in den Medien, z.T. nach mehr als einer Woche, diagnostiziert. Eine analytische Bestätigung steht nach Kenntnis des GIZ-Nord zurzeit noch aus. Die die Beschwerden auslösenden Ciguatoxine stammen ursprünglich aus Kleinlebewesen (Dinoflagellat Gambierdiscus) der Korallenriffe, die den Speisefischen als Nahrung dienten.

Durch die Patienten wurden die örtlichen Überwachungsbehörden sowie der Händler und Importeur frühzeitig informiert, die Charge des betroffenen Fisches wurde aus dem Handel zurückgezogen:

http://www.welt.de/regionales/hamburg/article110985874/Mit-Biogift-belastete-Fische-werden-zurueckgerufen.html

Für eine Ciguatera-Vergiftung ist keine spezifische Therapie bekannt, alle Patienten wurden symptomorientiert behandelt.

Weitere Informationen zu Ciguatera der Universität Erlangen-Nürnberg:
* http://blogs.fau.de/news/2012/09/14/kalteschmerz-nach-fischgenuss/

 

Presseerklärung des Bundesinstitut für Risikobewertung zum Thema vom 2013-04-11:

*http://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2013/09/erbrechen__durchfall_und_kaelteschmerz_nach_fischverzehr-133266.html