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Quelle: sw, Hannover, 14.06.2001 19:05 Uhr Hannoversche Allgemeine

Drei Hunde aus Hannover und dem Umland sind in den vergangenen Wochen qualvoll gestorben, mindestens sieben weitere sind schwer erkrankt. Sie alle haben nach den Erkenntnissen der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) den sehr gebräuchlichen Pflanzendünger "Oscorna animalin" geschluckt, der als rein organisches Bioprodukt bundesweit vertrieben wird. Der Dünger enthält Rizinusschrot, das nach den Erkenntnissen der TiHo bei falscher Verarbeitung hochgiftig und auch für Menschen lebensgefährlich sein kann. Die TiHo warnt ausdrücklich davor, diesen Dünger zu verwenden.
Der 34-jährige Klaus Heil aus Sehnde hat am vergangenen Sonntag seinen Rasen gedüngt, nach Gebrauchsanleitung mit Streuwagen, und danach  bewässert. "Ich habe geglaubt, ich tue etwas Gutes, wenn ich einen rein organischen Dünger nehme. Ich habe mich sogar ausdrücklich im Laden erkundigt, ob gefährliche Stoffe enthalten sind." Erst nach der Beregnung ließ Heil seine drei Mischlingshunde Ciro, Lara und Luna hinaus. Sie schnüffelten intensiv am Gras und leckten daran. Eine halbe Stunde später die ersten Anzeichen einer Vergiftung: Erbrechen, Durchfall, Apathie. Ciro ist in der Nacht zu Dienstag gestorben, Lara und Luna werden auf der Intensivstation der Tiho-Abteilung für kleine Haustiere noch behandelt, sind  aber noch nicht außer Lebensgefahr. Wie der TiHo-Veterinärmediziner Uwe Kersten mitteilt, sind in den vergangenen Wochen sieben weitere Hunde mit diesen Vergiftungssymptomen behandelt worden, außer Ciro sind zwei weitere Tiere gestorben. "Soweit wir von den Besitzern wissen, sind alle diese Hunde kurz zuvor mit ,Oscorna animalin‘ in Berührung gekommen." Laut Kersten besteht "kein Zweifel" an einer Vergiftung durch den Pflanzendünger, der in mehreren Gartenmärkten in Hannover und auch von der Raiffeisengenossenschaft vertrieben wird. Bereits Anfang der achtziger Jahre seien schon einmal mehrere Hunde durch dieses Produkt gestorben. Der Dünger enthalte gemahlenes Rinderhorn, das die Tiere anlocke. Der gefährliche Bestandteil ist aber das Rizinusschrot. Dieses enthält Rizin, von dem nach einer medizinischen Analyse ein Gramm ausreicht, um eineinhalb Millionen Meerschweinchen zu töten. Rizin verliert seine giftige Wirkung allerdings, wenn es stark erhitzt wird. Kersten vermutet, dass jetzt eine unbekannte Menge nicht ausreichend erhitzten Rizinusschrots über den Dünger in den Handel geraten ist. Keinen Zweifel lassen die Veterinärmediziner daran, dass "Oscorna animalin" auch für Menschen gefährlich sein kann - etwa, wenn ein Baby gedüngte Blumenerde in den Mund nimmt. Ein Gegengift gibt es nicht. Die Symptome für die Einnahme von Rizin sind Blässe, Zittern, Fieber, Erbrechen und starker Durst. Die in Nordrhein-Westfalen ansässige Herstellerfirma war gestern wegen des Feiertages nicht zu erreichen.