GIZ-Nord » Warnmeldungen » Warnung vor Schlankheitsmitteln aus dem Internet (23.07.2008)
 

Göttinger Giftinformationszentrum warnt vor Schlankheitspillen aus China: Immer mehr Fälle mit schweren Vergiftungen

pid. GÖTTINGEN. Das Giftinformationszentrum-Nord (GIZ) in Göttingen warnt dringend vor den gesundheitlichen Risiken von chinesischen Schlankheitsmitteln, die zumeist über das Internet angeboten werden. Es habe in diesem Jahr bereits eine Reihe von Fällen gegeben, in denen Patienten nach der Einnahme dieser Kapseln stationär behandelt werden mussten, sagt der Mediziner Dieter Müller vom GIZ-Nord. Zu den schweren Nebenwirkungen gehörten unter anderem Bluthochdruck, Herzrasen, Kopfschmerzen, Schwindelanfälle und Übelkeit.

Den Konsumenten dieser Schlankheitspillen ist die Gefährlichkeit meist nicht bewusst, weil auf der Verpackung ausschließlich pflanzliche Inhaltsstoffe deklariert sind. "Untersuchungen haben aber ergeben, dass die Kapseln den verschreibungspflichtigen Wirkstoff Sibutramin enthalten, und das auch noch in einer sehr hohen Dosis", sagt Müller.

Sibutramin hemmt die Wiederaufnahme der Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin in die Nervenzelle und verstärkt damit das Sättigungsgefühl. Die appetitzügelnde Substanz ist in Deutschland nur in einem einzigen Medikament zugelassen, das zur Behandlung von krankhaftem Übergewicht eingesetzt wird. Das Präparat ist rezeptpflichtig und kann daher nur nach individueller ärztlicher Verschreibung unter Berücksichtigung der Neben- und Wechselwirkungen eingenommen werden.

In den chinesischen Schlankheitspillen ist die Dosierung des Wirkstoffs Sibutramin dagegen zum Teil mehr als doppelt so hoch wie in dem zugelassenen Arzneimittel. Die Patienten, die nach der Einnahme der aus Fernost importierten Kapseln behandelt werden mussten, hätten alle Überdosierungserscheinungen gezeigt, sagt Müller. Die Folgen können sogar lebensgefährlich sein. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sind bereits mehrere Dutzend Todesfälle bekannt, die mit Sibutramin in Verbindung gebracht werden.

Trotzdem gibt es offenbar eine große Nachfrage nach diesen äußerst gefährlichen Schlankmachern. Dies zeigt die steigende Zahl von Anfragen bei der Giftinformationszentrale. "Allein im ersten Halbjahr hatten wir es bereits mit fünf Fällen zu tun, in denen Patienten wegen zum Teil schwerer Nebenwirkungen stationär behandelt werden mussten", berichtet Müller. Die Dunkelziffer sei vermutlich deutlich höher.

Hauptsächlich werden die Präparate, die zumeist aus China, Indien und Pakistan stammen, über das Internet und Web-Auktionen vertrieben. Weil sie keine Zulassung als Arzneimittel für den deutschen Markt haben, sind Handel und Verkauf dieser Präparate in Deutschland strafbar. Sie werden deshalb zur Tarnung zumeist in neutralen Verpackungen versandt. Vor zwei Jahren stellten Zollfahnder am Frankfurter Flughafen mehr als eine Million Kapseln der so genannten "LiDa"-Präparate sicher, die als Textil- oder Geschenksendungen deklariert waren. Das Frankfurter Landgericht hat inzwischen zwei chinesische Studenten, die an dem Vertrieb beteiligt waren und damit Erlöse von mehr als 100.000 Euro erzielt hatten, zu Haftstrafen verurteilt. Der schwunghafte Handel reißt allerdings nicht ab: Allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres hat das Zollfahndungsamt Frankfurt/Main bereits knapp 250.000 Stück sichergestellt. Es seien bereits zahlreiche Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, sagte ein Behördensprecher.


Das Göttinger Giftinformationszentrum ist für die Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zuständig. Es ist rund um die Uhr zu erreichen unter Tel. 0551 / 19240. Weitere Informationen: www.giz-nord.de.

23. Juli 2008, pid-nie