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khlerschutzDas Ergebnis einer aktuellen Studie des GIZ-Nord verdeutlicht, dass das Umfüllen von gefährlichen Produkten in Lebensmittelbehälter ein bedeutendes Vergiftungsrisiko im Haushalt darstellt. Aufgrund der großen Verwechslungsgefahr rät das Giftinformationszentrum-Nord dringend dazu, gefährliche Produkte nicht umzufüllen.

Auf dem Jahreskongress der Gesellschaft der europäischen Giftinformationszentren und klinischen Toxikologen (EAPCCT) im Mai 2010 in Bordeaux hat das Giftinformationszentrum-Nord der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein (GIZ-Nord) eine aktuelle Studie vorgestellt, in der das Vergiftungsrisiko untersucht wurde, das durch ein Umfüllen gefährlicher Produkte entsteht.

Über drei Monate wurden im Sommer 2009 alle Anfragen registriert und nachverfolgt, bei denen es zu einem Vergiftungsverdacht oder zu einer manifesten Vergiftung gekommen war, weil verschiedene nicht zum Verzehr bestimmten Produkte in einen Lebensmittel-typischen Behälter umgefüllt worden waren.

Von den insgesamt gut 10.000 Anrufen, die das GIZ-Nord im Studienzeitraum beantwortete, bezogen sich 53 (0,5 %) auf die untersuchte Fallgruppe. In 47 % dieser Fällen konnte das umgefüllte Produkt wegen fehlender Beschriftung und Kennzeichnung nicht mit ausreichender Sicherheit identifiziert werden, was die toxikologische Bewertung deutlich erschwerte. In einem Viertel der Fälle wurden Produkte aufgenommen, die eigentlich nur für eine Verwendung am Arbeitplatz bestimmt waren (solche Produkte haben im Regelfall ein höheres Vergiftungspotenzial als Haushaltsprodukte). 44 % der Betroffenen waren Kinder oder Jugendliche. In 15 Fällen traten mittelschwere oder schwere Vergiftungssymptome auf, die zu einer Krankenhausbehandlung führten. Dies entspricht einem sehr hohen Anteil von 29 % aller Kontaktfälle – erheblich höher als der Anteil der behandlungsbedürftigen Fälle nach Kontakt mit allen chemischen Produkten.

Dringlich warnt das GIZ-Nord vor dem Umfüllen chemischer Produkte in lebensmitteltypische Flaschen, aber auch in Trinkgläser oder Dosen.

Weitere Informationen:


Veröffentlichung des Kongressbeitrages ("Abstract" Nr. 207):

H. Desel, G. Schulze (2010) Prospective Study on Poisoning Risk Caused by Transfer of Hazardous Agents to Beverage Containers. In: Abstracts of the 2010 International Congress of the EuropeanAssociation of Poisons Centres and Clinical Toxicologists , 11-14 May 2010, Bordeaux, France. Clin. Toxicol. 48 (3), 288