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Veranstaltungen des GIZ-Nord zum Thema „Pilze“ im Jahr 2013

 

 

13.04.2013

5. PSV-Treffen, 13.04.2013 in der Medizinischen Hochschule Hannover

Alle zwei Jahre lädt das Giftinformationszentrum-Nord (GIZ-Nord, Göttingen) „seine“ Pilzsachverständigen zu einem eintägigen Treffen mit Vorträgen und Erfahrungsaustausch ein. Die diesjährige, bereits fünfte Veranstaltung fand am 13. April 2013 in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) unter Beteiligung von über 30 PSV statt.

Der stellvertretende Leiter des GIZ-Nord, Herr Dr. Schaper, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und stellte das anwesende GIZ-Team vor: Frau Valeska Beuße, Frau Eidt sowie Frau Gabriele Schulze, den meisten als Schwester Gabi bekannt. Frau Schulze ist die neue Ansprechpartnerin für PSV. Als Gast nahm auch Frau Gudrun Rüdell, die ehemalige PSV-Ansprechpartnerin beim GIZ-Nord, teil. Frau Eidt berichtete von einem dramatischen Ablauf zur Aufklärung einer Pilzvergiftung unter dem Titel „Pilze, Panik, Polizei“. Frau Beuße erläuterte die Handhabung von Pilz- Vergiftungsfällen mit Protokoll und Datenerfassung innerhalb des GIZ. Frau Schulze stellte Zahlen zu den Pilzvergiftungen des vergangenen Jahres vor und berichtete über die Studie ProPi, eine prospektive und standardisierte Sammlung von Verläufen nach Verzehr eindeutig identifizierter Großpilze. Vor dem gemeinsamen Mittagessen schilderte Herr Dr. Schaper die schwere Vergiftung mit Schleierlingen (Orellanus-Syndrom) eines deutschen Ehepaares während ihres Urlaubs in Finnland.

Der Nachmittag begann mit neuen Erkenntnissen über noch wenig bekannte Pilzvergiftungen: Das Acromelalga-Syndrom, ausgelöst durch Paralepistopsisacromelalga (Ichimura) Vizzini (Syn. ClitocybeacromelalgaIchimura) und Paralepistopsisamoenolens (Malençon) Vizzini (Syn. ClitocybeamoenolensMalençon); Vergiftungen durch Russulasubnigricans Hongo 1955 (China, Japan, Nordamerika); Todesfälle im Südwesten Chinas durch den „kleinen weißen Pilz“ Trogiavenenata Zhu L. Yang; Y. C. Li & L. P. Tang; schwere Vergiftungen mit Todesfällen durch Pleurocybellaporrigens (Pers.) Singer, eine Art die in Asien, Nordamerika und Europa vorkommt. In Deutschland ist es eine an Nadelholz vorkommende Art des Hügellandes und der Mittelgebirge. Die Vergiftungen betrafen nur Menschen mit vorangegangener Nierenerkrankung. Nach dem Verzehr von Echinodermaasperum (Pers.) Bon (Syn. Lepiotaaspera (Pers.) Quél.) in Verbindung mit Alkohol trat ein Azetaldehyd-Syndrom („Antabus-Reaktion“) auf, obwohl die Art kein Coprin enthält. Magen-/Darmprobleme nach dem Verzehr von Morcheln sind bekannt. Seit einiger Zeit rückt auch ein neurologisches Morchella-Syndrom in das Bewusstsein, einhergehend mit Schwindel, Sehstörungen, Zittern und der Unfähigkeit zu stehen oder zu gehen. Die Symptome vergehen ohne Behandlung i. d. R. innerhalb von 12 Stunden.

Im Laufe seines Vortrages wies Prof. Dr. Berndt insbesondere darauf hin, dass Anticholium ® /Physostigmin in 2013 als Antidot gegen schweres Pantherina-Syndrom in die Rote Liste (Arzneimittelverzeichnis für Deutschland) aufgenommen wurde. Dieses Antidot gegen anticholinerge Syndrome ist bei Ärzten noch nicht durchgängig bekannt.

Im Anschluss stellte Harry Andersson Möglichkeiten für PSV vor, Einsätze und Untersuchungen für Krankenhäuser nach dem Justizvergütungs- und Entschädigungsgesetz (JVEG) abzurechnen.

Im Informations- und Erfahrungsaustausch wurde die Frage „Wie sicher sind gekaufte Pilze?“ diskutiert. Ein weiteres Thema war die Erfassung von Pilzvergiftungen durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Zusammenarbeit des BfR mit den Giftinformationszentren.

Ein Demo-Tisch mit Pilzen aus China und La Palma, dem Buch„Trüffeln – Mythos und Wirklichkeit“ von Christian Volbracht sowie der Mykologischen Notfall-Diagnostik (R. u. T. Flammer) rundeten die Veranstaltung ab.

Der Tag war eine gute Gelegenheit vor Beginn der eigentlichen Saison Neues zu erfahren, das GIZ-Nord sowie neue PSV-Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen oder Kontakte aufzufrischen. Das nächste PSV-Treffen in zwei Jahren wird voraussichtlich im GIZ-Nord in Göttingen stattfinden.

Harry Andersson
Eichhahnweg 20a
38108 Braunschweig
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Das Team des GIZ-Nord bedankt sich ganz herzlich für die bisherige und hoffentlich auch zukünftige Unterstützung und Zusammenarbeit bei der Beratung von Pilzvergiftungen.

Gabi Schulze und Andreas Schaper für das gesamte GIZ-Nord Team.