GIZ-Nord » Vergiftungen durch Pilze » Beratungen bei Verdacht auf Pilzvergiftung im GIZ-Nord
 

Anlässlich einer Pilzausstellung im Göttinger Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin im Oktober 2008 wurde das Vorgehen bei Anrufen zu einem Verdacht auf eine Pilzvergiftung im Giftinformationszentrum-Nord vorgestellt.

Die Beratung erfolgt in diesen Fällen in folgenden Schritten:

Klärung der Exposition durch Erfragen der Situation

  • Gibt es Beschwerden/ Symptome z. B. Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Bauchschmerzen, Herz-Kreislauf- oder psychische Probleme (wie etwa Halluzinationen)?
  • Alter, Geschlecht, Gewicht der betroffenen Person?
  • Wann wurden die Pilze (der Pilz) aufgenommen und seit wann sind die Beschwerden aufgetreten?
  • Wieviel wurde aufgenommen?
  • Sind die Pilze (oder Ist der Pilz) bekannt?
    Ist dies nicht der Fall, wird gefragt, ob zur Identifizierung noch Pilze, Pilzreste oder Putzreste vorhanden sind. Falls keinerlei Reste mehr vorhanden sind und bereits Beschwerden vorliegen, sollte auch Erbrochenes aufgehoben werden.

Weiteres Vorgehen

  • Bei bereits aufgetretenen Beschwerden, oder
  • falls noch keine Symptome aufgetreten sind aber sicher giftige Pilze aufgenommen wurden,
wird geraten, sofort einen Arzt oder ein Krankenhaus aufzusuchen und Pilze, Pilzreste und evtl. Erbrochenes mitzunehmen!
Die weitere Vorgehensweise und Behandlung der Vergiftung wird dann mit dem behandelnden Arzt besprochen.

Sofern die aufgenommenen Pilze (oder auch nur ein einzelner) nicht sicher identifiziert werden konnten, oder möglicherweise eine toxische Dosis eines giftigen Pilzes aufgenommen wurde, wird ein Pilzsachverständiger eingeschaltet.

Einschaltung eines geprüften Pilzsachverständigen

Pilzsachverständige sind in der Regel ehrenamtlich tätige Berater, auf deren Engagement und Expertise die Giftinformationszentren unbedingt angewiesen sind.

Die Auswahl des Beraters geschieht in der Regel nach geographischer Nähe. In unserem Giftinformationszentrum haben wir die Daten der Sachverständigen nach Postleitzahlen der Wohnorte geordnet. Die Liste wird ständig aktualisiert.

Deutschlandweit gibt es zur Zeit 548 Pilzsachverständige.

In unserem Zuständigkeitsbereich, Niedersachsen, Schleswig–Holstein, Hamburg und Bremen, stehen uns zur Zeit 54 Pilzberater zur Verfügung. Gegebenenfalls werden natürlich auch Telefonnummern von Sachver-ständigen aus angrenzenden Bundesländern herausgegeben.

Wird die Hilfe eines Pilzsachverständigen gebraucht, geben wir zur Kontaktaufnahme die Telefonnummern und eventuell die Adressen mehrerer Ansprechpartner an die Hilfesuchenden weiter, mit der Bitte alles, was zur Identifizierung der Pilze dienen kann, aufzubewahren (s.o.).

Den hilfesuchenden Personen wird auf jeden Fall geraten, sich erneut an uns zu wenden, wenn sie die genannten Pilzberater nicht erreichen, damit das weitere Vorgehen besprochen werden kann.

Falls eine Identifizierung nicht möglich ist, und der Verdacht einer Knollenblätterpilzvergiftung besteht, kann in unserem klinisch-toxikologischen Labor Amanitin gemessen werden.