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Entwicklung eines Frühwarnsystems für gesundheitliche Bedrohungen durch Chemikalien  (2005 - 2011

(Alerting System for Chemical Health Threats - Information in English on the project is presented here)

Informationsstand: 2010-02-01

Das Hauptziel des ASHT-Public Health-Forschungsprojektes ist die Entwicklung und die Erprobung eines Frühwarnsystems für chemische Gefahrenlagen (Rapid Alert System for Chemicals - RAS-CHEM). Gefahrensituationen, die durch terroristische Aktivitäten verursacht sein könnten, stehen dabei im besonderen Interesse.

Das Projekt wird durch die britische Health Protection Agency (HPA), Didcot (UK) geleitet. Aktive Projektpartner sind z. Zt. die Weltgesundheitsorganisation (WHO), Genf, die Giftinformationszentren in Göttingen, Lille, London, Prag and Vilnius, und die European Association of Poisons Centres and Clinical Toxicologists (EAPCCT).

Das Projekt besteht aus zwei Teilabschnitten. Der erste Projektteil wurde im September 2008 mit einem Workshop und einem Abschlussbericht beendet. Der zweite Projektteil hat im Oktober 2008 begonnen.

Das Giftinformationszentrum-Nord der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig Holstein (GIZ-Nord) ist in diesem Projekt federführend für die Arbeitsfelder der technischen Konzeption und der Entwicklung von Testumgebungen. Weiterhin hat das GIZ-Nord die Rolle der Kontaktstelle zwischen allen Projektteilnehmern und den Programmierern des Produktiv-Systems.

Zentraler Ansatzpunkt des Projektes ist eine technische Vernetzung der Giftinformationszentren in Europa, und zwar einerseits untereinander und andererseits mit Überwachungsbehörden auf lokaler, nationale und europäischer Ebene. Zu diesem Zweck wurden bisher ein Vergiftungsereignis-Fallinformationssystem konzipiert, als Testversion realisiert und ausführlich auf seine Funktion getestet (DEV RAS-CHEM). Seit Oktober 2009 steht eine weitere Testversion   RAS-CHEM (V 2.0.0.0) zum Zugriff über das Internet bereit, eingebettet in ein einheitliches informationstechnisches Basissystem für mehrere europäische Frühwarnsysteme auf einem Datenbankserver des Generaldirektorates Gesundheit und Verbraucher (DG-SANCO) in Luxemburg.

Das System ist insbesondere auf solche Ereignisse gerichtet, die zunächst als Vergiftungsrisiko, möglicherweise für größere Teile der Bevölkerung, nicht erkennbar sind (Toxikovigilanz).

Würde z. B. vor einem terroristischem Hintergrund an verschiedenen Orten in Europa gleichzeitig ein hochtoxisches Cyanid in Lebensmittel eingebracht und käme es in dessen Folge in London, Norddeutschland oder Litauen zunächst nur zu vereinzelten Vergiftungen, so erfahren i. d. R. weder die Überwachungsbehörden noch die anderen europäischen Giftinformationszentren davon. Mit Hilfe von RAS-CHEM soll diese Kommunikationslücke geschlossen werden, um eine Ausbreitung der Vergiftungsgefahr und damit Schaden von einer größeren Zahl von Menschen abzuwenden.

Das entwickelte System zeichnet sich dadurch aus, dass einander ähnliche Fälle leicht als solche erkannt werden können.

In der erweiterten Version, die z. Zt. im zweiten Teil des Projektes entwickelt wird, wird es zudem möglich sein, die Datenbank nach Symptomkonstellationen zu durchsuchen, um zunächst unbekannte Noxen identifizieren zu können (syndromic surveillance).

Ein ergänzendes Ziel des ASHT-Projektes ist eine Prüfung der technischen und organisatorischen Voraussetzungen, die zu Realisierung eines europäischen Überwachungssystems für terroristische Giftanschläge, gespeist durch automatisiertes Zusammenführung der Beratungsfall-Berichte viele europäischer Giftinformationszentren, erfüllt sein müssten.

ASHT wird gefördert durch die Europäische Kommission. EU-RAS-CHEM wird auf einem Server des Generaldirektorates Gesundheit und Verbraucher (SANCO) in Luxemburg installiert werden.