GIZ-Nord » Pressemitteilungen » Presseinformation zum Jahresbericht 2012 (07.11.2013)
 

UMG-Presseinformation Nr. 163 vom 07. November 2013

Fischvergiftung "Ciguatera" schwappt nach Mitteleuropa

Giftinformationszentrum-Nord mit Jahresbericht 2012: Mehr als 36.000 Beratungen. Erstmalig in Mitteleuropa aufgetretene Fischvergiftung erkannt. Anfragen aus Europa, Südafrika, Chile und China.

(umg) Seltene und ungewöhnliche Vergiftungen erkennen gehört zum Tagesgeschäft der Experten des Giftinformationszentrums-Nord (GIZ-Nord) an der Universitätsmedizin Göttingen. In seinem Jahresbericht für das Jahr 2012 informiert das GIZ-Nord auch über neue Gefahren. Insgesamt 36.364 Anfragen zu Vergiftungen haben die ärztlichen Beraterinnen und Berater des GIZ-Nord im Jahr 2012 beantwortet. Der 24-Stunden-Service wurde zu 54 Prozent von Bürgerinnen und Bürgern und zu 46 Prozent von medizinischem Fachpersonal genutzt. "Der erneute Anstieg auf jetzt über 36.000 zeigt, wie gut das GIZ in der Bevölkerung und bei den Ärztinnen und Ärzten akzeptiert ist", sagt Dr. Herbert Desel, Leiter des GIZ-Nord.

Der Jahresbericht des GIZ-Nord analysiert detailliert die Vergiftungsursachen, die Altersgruppen der Betroffenen und die Schwere der Vergiftungen. Oft sind es Dinge aus dem täglichen Umfeld, die besonders für Kinder gefährlich werden können. Die größte Vergiftungsgefahr geht für Kinder von chemischen Produkten, Arzneimitteln und Pflanzen aus. Bei Erwachsenen überwiegen klar Vergiftungen mit Arzneimitteln.

Auch die gezielte Überwachung von Gesundheitsgefahren durch Giftstoffe, die so genannte Toxikovigilanz, gehört zu den Aufgaben des GIZ-Nord. "2012 traten erstmals in Mitteleuropa Ciguatera-Fischvergiftungen auf. Das GIZ-Nord erkannte die Gefahr und konnte entsprechend beraten,"sagt Dr. Martin Ebbecke, stellvertretender Leiter des GIZ-Nord. Ciguatera ist eine in Mitteleuropa bisher unbekannte Fischvergiftung mit spezifischen neurologischen Symptomen. Die Verbreitung wird durch die Globalisierung des Nahrungsmittelhandels begünstigt.

Die Hauptaufgabe des GIZ-Nord der Länder Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen ist die Beratung im akuten Vergiftungsfall. Mit dem Jahresbericht und der Erstellung detaillierter Spezialanalysen kommt das GIZ-Nord einer seiner anderen zentralen Aufgaben nach: Es berichtet den Überwachungsbehörden und der Fachöffentlichkeit über die aktuelle Vergiftungssituation.

KOMPETENZ NATIONAL UND INTERNATIONAL GEFRAGT

Das Fachwissen der Giftexperten ist national und international gefragt. Das GIZ-Nord erreichten im Jahr 2012 Anfragen aus Südafrika, China und Chile. "In mehreren von der Europäischen Kommission geförderten Projekten befasst sich der Giftnotruf Göttingen mit der Gefahr, die von einer Chemikalienausbringung mit potentiell kriminellem oder terroristischem Hintergrund ausgeht" sagt Priv.-Doz. Dr. Andreas Schaper, stellvertretender Leiter des GIZ-Nord.

Das GIZ-Nord war an 35 wissenschaftlichen Publikationen beteiligt. Zahlreiche Einladungen zu internationalen Konferenzen zeigen, wie gut die Institution auch im internationalen Umfeld anerkannt ist. 69 Mal berichteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des GIZ-Nord in Kliniken und auf wissenschaftlichen Kongressen über Themen wie Rauchgasvergiftungen, Drogennotfälle, Vergiftungen mit Giftpilzen und Haushaltschemikalien, toxikologische Laboranalytik sowie die Auseinandersetzung mit chemischen Kampfstoffen.

Weitere Informationen, die aktuellen und die bisherigen Jahresberichte und verschiedene Warnmeldungen über aktuelle Vergiftungsgefahren sind über die Internetseite www.giz-nord.de abrufbar.

Die meisten Anfragen erreichen das GIZ-Nord über die Notrufnummer 0551 / 19240. Vorsorgliche Anfragen können auch per E-Mail (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) übermittelt werden.

WEITERE INFORMATIONEN
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Giftinformationszentrum-Nord (GIZ-Nord)
Dr. Martin Ebbecke, Priv.-Doz. Dr. Andreas Schaper,
Dr. Herbert Desel, Leiter des Giftinformationszentrum-Nord (GIZ-Nord)
Telefon 0551 / 38 31 80
Robert-Koch-Str. 40, 37075 Göttingen
www.giz-nord.de