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Presseinformation

Nr. 124 vom 15. September 2009

Giftinformationszentrum-Nord legt Jahresbericht 2008 vor

Über 31.000 Anfragen und Beteiligung an vielen nationalen und internationalen Projekten

 

(umg) Das Giftinformationszentrum-Nord der Länder Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen (GIZ-Nord) an der Universitätsmedizin Göttingen hat seinen dreizehnten Jahresbericht vorgelegt. Im Jahr 2008 wurden 31.281 Anfragen zu Vergiftungen von den ärztlichen Beraterinnen und Beratern beantwortet. "Die stabile Anzahl der Anfragen von erneut über 30.000 dokumentiert die exzellente Akzeptanz der Institution bei der Bevölkerung und den Ärzten", sagt Dr. Herbert Desel, Leiter des GIZ-Nord.

 

Der Jahresbericht analysiert detailliert die Vergiftungsursachen, die Altersgruppen der Betroffenen und die Schwere der Vergiftungen. Die größte Vergiftungsgefahr geht für Kinder von chemischen Produkten, Arzneimitteln und Pflanzen aus. Bei Erwachsenen überwiegen klar Vergiftungen mit Arzneimitteln. Der kostenlose 24-Stunden-Service des Giftinformationszentrums-Nord wurde zu 56 Prozent von Bürgerinnen und Bürgern und zu 44 Prozent von medizinischem Fachpersonal genutzt.

Die Göttinger Giftexperten werden - neben ihrer üblichen Beratungstätigkeit - immer wieder mit seltenen und ungewöhnlichen Vergiftungen konfrontiert: Im September 2008 erlitten acht Mitglieder einer deutschen Reisegruppe schwere Nierenschäden nach versehentlichem Genuss des Giftpilzes "Orangefuchsiger Raukopf". In Norwegen war dieser mit einem Speisepilz verwechselt worden.

Neben der Kernkompetenz - der Beratung im akuten Vergiftungsfall - spielte auch im Jahr 2008 die gezielte Überwachung von Gesundheitsgefahren durch Giftstoffe, die Toxikovigilanz, eine herausragende Rolle in der Tätigkeit der Institution. In einer Vielzahl von nationalen und internationalen Projekten stellt sich das GIZ-Nord dieser Herausforderung. Bei Haushaltschemikalien werden die genauen Vergiftungsumstände analysiert. Zudem wird in einem von der Europäischen Kommission geförderten Projekt der Gefahr einer Chemikalienausbringung vor kriminellem oder terroristischem Hintergrund begegnet.

Mit dem Jahresbericht und der Erstellung detaillierter Spezialanalysen kam das GIZ-Nord einer seiner zentralen Aufgaben nach: den Überwachungsbehörden und der Fachöffentlichkeit über die aktuelle Vergiftungssituation zu berichten.

VERÖFFENTLICHUNGEN UND VORTRÄGE
Das GIZ-Nord war an 16 wissenschaftlichen Publikationen und Buchbeiträgen beteiligt, darunter an der Neuauflage des Lehrbuchs "Harrisons Innere Medizin" für den deutschsprachigen Raum - dabei handelt es sich um das weltweit renommierteste medizinische Fachbuch. Die toxikologische Expertise der Institution auf internationalem Niveau wird auch durch zahlreiche Einladungen zu Vorträgen (u.a. in Spanien, Großbritannien und Südafrika) dokumentiert: 44 Mal berichteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des GIZ-Nord in Kliniken und im Rahmen unterschiedlicher Veranstaltungen, wie auf wissenschaftlichen Kongressen, über verschiedene Aspekte ihrer Arbeit. Schwerpunkte waren Drogennotfälle, Vergiftungen durch exotische Gifttiere, Haushaltschemikalien, toxikologische Laboranalytik sowie die Auseinandersetzung mit chemischen Kampfstoffen.

Weitere Informationen, die aktuellen und die bisherigen Jahresberichte und verschiedene Warnmeldungen über aktuelle Vergiftungsgefahren sind über die Internetseite www.giz-nord.de abrufbar.

Die meisten Anfragen erreichen das GIZ-Nord über die Notrufnummer 0551-19240. Prophylaktische Anfragen können auch per E-Mail (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) übermittelt werden.


WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Giftinformationszentrum-Nord (GIZ-Nord)
Dr. Martin Ebbecke, Dr. Andreas Schaper,
Dr. Herbert Desel, Leiter des Giftinformationszentrum-Nord (GIZ-Nord)
Telefon 0551 / 38 31 80
Robert-Koch-Str. 40, 37075 Göttingen