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Presseinformation Nr. 137 vom 20. September 2006

Giftinformationszentrum-Nord feiert 10-jähriges Bestehen

Über 250.000 Anfragen in 10 Jahren

 

(ukg) Das Giftinformationszentrum-Nord der Länder Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen (GIZ-Nord) am Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen wird in diesem Jahr 10 Jahre alt. Am Mittwoch, 20. September 2006, wurde das Bestehen mit einer Feierstunde offiziell gefeiert.

1996 gründeten die vier Trägerländer das Giftinformationszentrum-Nord mit Sitz am Universitätsklinikum Göttingen im Rahmen eines Kooperationsmodells. Sie bündelten damit die Kompetenz in der Vergiftungsberatung im norddeutschen Raum auf hohem Niveau. In Deutschland gibt es insgesamt zehn Giftinformationszentren. Federführend aufgebaut wurde das GIZ-Nord von Prof. Dr. Georg-Friedrich Kahl, ehemaliger Leiter der Abteilung Toxikologie am Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen. Sein Nachfolger ist seit 2005 Dr. Herbert Desel.

24 Stunden am Tag sind die Ärztinnen und Ärzte des GIZ-Nord telefonisch bei Vergiftungs- bzw. Verdachtsfällen erreichbar. Sie beraten etwa in der Hälfte der Fälle medizinisches Fachpersonal und zur anderen Hälfte Bürgerinnen und Bürger. 2005 wurde die Institution über 30.000 Mal um Rat gefragt. Im Zentrum der Notfallberatungen stehen Vergiftungen durch Medikamente, Haushaltsprodukte und Giftpflanzen, aber auch durch Gifttiere.

Zusätzlich zur Notfallberatung dokumentieren die 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des GIZ-Nord die Vergiftungen und werten sie wissenschaftlich aus. Unter den 15 Beschäftigten arbeiten zehn Ärztinnen und Ärzte mit unterschiedlichen Ausrichtungen (Innere Medizin, Pädiatrie, Arbeitsmedizin, Psychiatrie/Suchtforschung, Pharmakologie/Toxikologie), zwei Diplom-Chemiker und ein IT-Systemspezialist.

Das GIZ Nord ist in mehrere nationale und internationale Forschungsprojekte eingebunden und kooperiert mit Überwachungsbehörden. Gemeinsam mit dem Klinisch-toxikologischen Labor bildet das GIZ-Nord das Pharmakologisch-toxikologische Servicezentrum (PTS) des Bereichs Humanmedizin der Universität Göttingen. Leiter dieser Einrichtung ist Dr. Herbert Desel.

Weitere Ziele des GIZ-Nord sind die Nachverfolgung von Vergiftungsfällen zur Optimierung der Beratungstätigkeit, die Zusammenarbeit mit anderen in- und ausländischen Giftinformationszentren, die Veröffentlichung von Erfahrungsberichten und die Weiterbildung von medizinischem Fachpersonal.

Zahlen

 Vom 1. Januar 1996 bis zum 31. Dezember 2005 wurden vom GIZ-Nord genau 252.879 überwiegend telefonische Anfragen bearbeitet. Bereits im ersten Jahr der Tätigkeit erreichte das GIZ-Nord mit 16.000 Anfragen die Leistungszahl, die bei den Planungen für die Ausstattung des GIZ vorausberechnet wurde. Diese Leistungszahl erhöhte sich in den Folgejahren kontinuierlich und überschritt im Jahr 2005 erstmals die Zahl von 30.000.

Die Hauptursache der Vergiftungen waren mit knapp 40 Prozent Medikamente (91.807 Fälle). Chemische Produkte machten fast 25 Prozent der Anfragen aus (54.810 Fälle), gefolgt von Pflanzen (29.332 Fälle, 13 Prozent) und Kosmetika (10.793 Fälle, 5 Prozent). Der überwiegende Teil der dokumentierten Fälle verlief ohne oder mit nur leichten Beschwerden der Betroffenen (46 Prozent bzw. 30 Prozent). Mittelschwere Vergiftungen, d.h. Vergiftungen, bei denen in der Regel eine ärztliche Behandlung erforderlich wurde, machten 6,5 Prozent, und schwere (lebensbedrohliche) Vergiftungen 2,3 Prozent der Fälle aus. Insgesamt wurden 273 Vergiftungen mit tödlichem Ausgang (0,1 Prozent der Fälle) erfasst.

Das GIZ-Nord ist das jüngste GIZ in Deutschland. Von Anfang an wurde daher moderne Informationstechnik in der täglichen Arbeit eingesetzt. Auch beim Aufbau des Toxikologischen Dokumentations- und Informationsverbundes (TDI, www.tdi-network.org) spielte das GIZ-Nord eine koordinierende Rolle. Dieser Aufbau wurde vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) über sechs Jahre als Forschungsprojekt gefördert. Derzeit erarbeitet das Giftinformationszentrum-Nord in zusammen mit verschiedenen anderen Projektpartnern und der EU ein elektronisches Frühwarnsystem für terroristische Vergiftungsereignisse ("EU-RAS-CHEM"). Dieses von der EU geförderte Forschungsprojekt ist zunächst auf zwei Jahre angelegt. Göttingen ist in dem Projekt federführend für die informationstechnische Konzeption verantwortlich.

Weitere Informationen über aktuelle Vergiftungsgefahren sind über die Internetseite www.giz-nord.de abrufbar. Die meisten Anfragen erreichen das GIZ-Nord über die Notrufnummer 0551-19240. Prophylaktische Anfragen können auch per E-Mail (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) übermittelt werden.

Weitere Informationen:

Bereich Humanmedizin - Universität Göttingen
Dr. Herbert Desel
Leiter des Giftinformationszentrum-Nord (GIZ-Nord)
Robert-Koch-Str. 40
37075 Göttingen
Tel.: 0551 / 38 31 80

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