GIZ-Nord » Pressemitteilungen » Pressemitteilung Pilzvergiftungen vom 7.9.2006
 

Pressemitteilung Pilzvergiftungen vom 7.9.2006

Presseinformationen Presseinformation Nr. 130 vom 07. September 2006

Giftinformationszentrum-Nord warnt vor Pilzvergiftungen

Pilzsaison hat begonnen - GIZ-Nord am Universitätsklinikum Göttingen ist rund um die Uhr erreichbar



(ukg)In diesen Tagen laufen die Telefone im Giftinformationszentrum-Nord (GIZ-Nord) am Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen heiß. Grund ist der Beginn der Pilzsaison. Allein in der vergangenen Woche gab es in Norddeutschland einige schwere, zum Teil lebensbedrohliche Vergiftungen durch hochgiftige Knollenblätterpilze.

Typische Symptome für die Knollenblätterpilzvergiftungen sind Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Die Beschwerden treten in der Regel erst etwa 8 bis 12 Stunden nach dem Verzehr auf. Das Gift des Knollenblätterpilzes wirkt vor allem auf die Leber. Fällt das Organ vollständig aus, so stellt die Lebertransplantation die einzige Behandlungsmöglichkeit dar.

Das Giftinformationszentrum-Nord warnt daher: Pilzsammler sollten nur dann selbst gesammelte Pilze verzehren, wenn sie sich über deren Identität und Essbarkeit absolut sicher sind.

Neben den Vergiftungen mit Knollenblätterpilzen wurden dem GIZ-Nord zwei schwere Vergiftungen durch Pantherpilz gemeldet. "Der Pantherpilz wird häufig mit dem Perlpilz verwechselt", sagt Dr. Herbert Desel, Leiter des Giftinformationszentrums-Nord am Universitätsklinikum Göttingen. Die Vergiftung macht sich vor allem durch Angstsymptome, starke Verwirrung und Wahrnehmungsstörungen bemerkbar.

Bei einem Verdacht auf eine Pilzvergiftung ist das Giftinformationszentrum-Nord 24 Stunden am Tag unter der Notrufnummer 0551-19240 erreichbar. Personen mit dem Verdacht auf eine Vergiftung sollten sich in das nächste Krankenhaus bringen lassen. Erbrochenes, Putzabfälle und Reste der Mahlzeit sollten zur Untersuchung mitgebracht und alle an der Mahlzeit beteiligten Personen informiert werden. Das GIZ-Nord ist für die Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen zuständig.

Informationen gibt es auch auf der Internetseite www.giz-nord.de.


Wichtige Tipps des Giftinformationszentrums-Nord und vom Pilzsachverständigen Herrn Harry Andersson, Braunschweig:

• Keine Pilze sammeln, die nicht ganz genau bekannt sind.

• Nicht "nach Buch" sammeln. Auch umfangreiche Bücher zeigen nur einen kleinen Teil der bei uns wachsenden Pilzarten.

• Nicht auf "überlieferte, alte und bewährte Methoden" vertrauen, nach denen angeblich essbare Pilze von giftigen Pilzen zu unterscheiden sind. Es gibt keine allgemeingültigen Regeln über die Essbarkeit oder die Giftigkeit von Pilzen. So sagen zum Beispiel Verfärbungen an mitgekochten Silberlöffeln oder Zwiebeln nichts über die Genießbarkeit der Pilze aus. Auch Fraßspuren von Tieren bedeuten nicht, dass der Pilz für Menschen essbar ist. Der für Menschen tödlich Grüne Knollenblätterpilz wird von Kaninchen und anderen Tieren durchaus vertragen.

• Unbedingt sich mit den häufigen und besonders giftigen Pilzarten vertraut machen: Grüner Knollenblätterpilz (auch als weiße Varietät), Kegelhütiger Knollenblätterpilz, Orangefuchsiger Rauhkopf, Löwengelber Schleierling, Spitzgebuckelter Rauhkopf, Pantherpilz, Gift- oder Frühjahrslorchel, Kahler Krempling

• Verwechslungsgefahr besteht bei dem essbaren Stockschwämmchen und dem Gifthäubling. Dieser Pilz wird in manchen Büchern noch als Nadelholzhäubling bezeichnet. Sowohl Stockschwämmchen als auch Gifthäubling können am gleichen Substrat (Stubben, Äste, Holzschnitzel) durcheinander wachsen.

• Verbraucherberatung, Volkshochschule, naturkundliches Museum oder die Gemeindeverwaltung helfen bei der Suche nach einem Pilzsachverständigen in der Nähe.

• Besteht nur der geringste Zweifel an der eigenen Bestimmung, sollte niemals vom eigenen Fund gegessen werden.

• Pilze verderben sehr schnell. Keine alten Pilze sammeln!

• Keine rohen Pilze verzehren, sondern diese mindestens 15 bis 20 Minuten kochen oder braten.

 

Weitere Informationen:

Bereich Humanmedizin - Universität Göttingen
Dr. Herbert Desel
Dr. Andreas Schaper
Giftinformationszentrum-Nord (GIZ-Nord)
Robert-Koch-Str. 40
37075 Göttingen
Tel.: 0551-383180