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Giftinformationszentrum-Nord legt Jahresbericht 2004 vor

Rund 30.000 Anfragen an das GIZ Nord. Viele Pilzvergiftungen für dieses Jahr befürchtet.

(ukg) Das Giftinformationszentrum-Nord der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein (GIZ-Nord) am Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen hat heute, am 22. August 2005, seinen neunten Jahresbericht für das Jahr 2004 vorgelegt. 29.715 Anfragen beantworteten die ärztlichen Beraterinnen und Berater im Jahr 2004. "Diese Zahl an Anfragen ist für uns ein Zeichen, dass das Giftinformationszentrum-Nord von der Bevölkerung und den Ärzten akzeptiert wird. Das Beratungsangebot wird gebraucht und zunehmend genutzt.", sagt GIZ-Leiter Dr. Herbert Desel.

Auf 45 Seiten wertet der Jahresbericht differenziert die Beratungen im Hinblick auf die Vergiftungsursachen, das Alter der Betroffenen und die Schwere der Vergiftungen aus. Die größte Vergiftungsgefahr geht sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen von Arzneimitteln aus. 78 Prozent aller schweren oder mittelschweren Vergiftungen wurden durch Medikamente verursacht.

Insgesamt 27661 Personen waren von einer Vergiftung oder einem Vergiftungsverdacht betroffen. Als mittelschwer oder schwer vergiftet mussten davon 2011 Patientinnen und Patienten eingestuft werden. 638 Anfragen bezogen sich auf Vergiftungen bei Tieren. 1641 Anfragen wurden vorsorglich gestellt, bevor es zu einem Kontakt mit einem fraglich giftigen Produkt kommen konnte. In 154 Fällen wurde das GIZ-Nord zu besonderen Gefahren in Schwangerschaft und Stillzeit kontaktiert.

Besonders häufig wurde das GIZ-Nord in den späten Sommermonaten angerufen: mit durchschnittlich 95 Anfragen pro Tag wurde im September das Maximum erreicht. Vor allem viele besorgte Eltern, deren Kinder frische Pflanzen oder Früchte probiert hatten, wandten sich an das GIZ-Nord. Glücklicherweise mussten nur 39 Vergiftungen mit Pflanzen als schwer oder mittelschwer beurteilt werden.

Zu Pilzen und möglichen Vergiftungen gab es im Jahr 2004 445 Anfragen, obwohl im vergangenen Jahr 2004 wetterbedingt sehr wenige Pilze wuchsen. 24 davon bezogen sich auf Vergiftungen mit schwerer oder mittelschwerer Symptomatik. Das GIZ-Nord arbeitet eng mit insgesamt 39 Pilzsachverständigen vor Ort zusammen. "Diese erwarteten ein überdurchschittliches Pilzwachstum für das Jahr 2005. Wir befürchten daher für dieses Jahr mehr Pilzvergiftungen als im Vorjahr", sagt Dr. Desel. Erste schwere Vergiftungsfälle wurden bereits in der letzten Woche in Niedersachsen bekannt. Besonders gefährdet sind erfahrungsgemäß Spätaussiedler: der hochgiftige Grüne Knollenblätterpilz wurde bereits mehrfach mit einem Speisepilz aus ihrem Herkunftsland verwechselt.

Vor diesem Hintergrund warnt das GIZ-Nord vor dem Genuss von Pilzen, die man nicht kennt. "Fundierte Kenntnisse über die gesammelten Pilze können lebenswichtig sein", sagt GIZ-Leiter Dr. Desel. "Überlieferte, scheinbar bewährte Methoden sind unzuverlässig: Weder Verfärbungen an mitgekochten Silberlöffeln oder Zwiebeln sagen etwas über die Giftigkeit von Pilzen aus, noch bedeuten Fraßspuren, dass ein Pilz genießbar ist."

Das GIZ-Nord hat einen dringenden Bedarf an kooperationsbereiten Pilzkundigen in ganz Norddeutschland. Viele Hinweise auf Gruppen und Einzelpersonen, die beim Einstieg in die Pilzkunde Unterstützung geben, finden sich auf der Internetseite des GIZ-Nord unter dem Suchstichwort "Pilze".

Seine Arbeit hat das GIZ-Nord im letzten Jahr in zahlreichen Vorträgen sowie durch Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Zeitschriften und in der Publikumspresse vorgestellt. Viele weitere Informationen, Jahresberichte und ein Merkblatt über Vergiftungsgefahren bei Kindern und sind über die Internetseite des GIZ-Nord (www.giz-nord.de) frei zugänglich.

Die meisten Anfragen erreichen das GIZ-Nord über die Notrufnummer 0551-19240.

Prophylaktische Anfragen können auch per E-Mail (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) übermittelt werden.

Weitere Informationen / Ansprechpartner:

Dr. Martin Ebbecke, Dr. Herbert Desel

GIZ-Nord

Robert-Koch-Str. 40

37075 Göttingen

Tel.: 0551 / 19240