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Giftinformationszentrum-Nord mit Jahresbericht 2006

UMG-Presseinformation Nr. 114/2007, 19. Juli 2007

Über 30.000 Anfragen, Rückgang vergiftungsbedingter Todesfälle und Schlüsselrolle des GIZ-Nord bei der „Magic Nano“-Epidemie

(umg) Das Giftinformationszentrum-Nord der Länder Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen (GIZ-Nord) an der Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität hat seinen elften Jahresbericht vorgelegt. Im Jahr 2006 wurden 30.349 Anfragen zu Vergiftungen von den ärztlichen Beraterinnen und Beratern beantwortet. „Diese weiterhin hohe Zahl an Anfragen dokumentiert die ausgezeichnete Akzeptanz der Institution in der Bevölkerung und bei den Ärzten“, sagt Dr. Herbert Desel, Leiter des GIZ-Nord.

Der Jahresbericht nennt detailliert die Vergiftungsursachen, die Altersgruppen der Betroffenen und die Schwere der Vergiftungen. Die größte Vergiftungsgefahr besteht für Kinder durch chemische Produkte, Arzneimittel und Pflanzen. Bei Erwachsenen überwiegen Vergiftungen mit Arzneimitteln. Der kostenlose Service des Giftinformationszentrums-Nord wurde zu 57 Prozent von Bürgerinnen und Bürgern und zu 43 Prozent von medizinischem Fachpersonal genutzt.

Etwa 27.000 Personen waren von einer Vergiftung oder einem Vergiftungsverdacht betroffen. Davon waren zirka 1.800 Patientinnen und Patienten mittelschwer oder schwer vergiftet. Insgesamt wurden 27 vergiftungsbedingte Todesfälle registriert. Dies bedeutet einen deutlichen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, in dem 46 Patientinnen oder Patienten infolge einer Vergiftung verstarben.
Der Jahresbericht dokumentiert die über die Beratung in Vergiftungsfällen hinausgehenden Aktivitäten: Die Anzahl der Publikationen aus dem GIZ-Nord verdoppelte sich von sieben im Jahre 2005 auf 14 im Jahr 2006. Insgesamt 36 Mal berichteten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Einladung in auswärtigen Kliniken und auf  wissenschaftlichen Kongressen über verschiedene Aspekte ihrer Arbeit (im Vorjahr 27 Mal).

Zu den zentralen Aufgaben des Giftinformationszentrums-Nord zählen nicht nur die individuelle Beratung bei Vergiftungen und Vergiftungsverdachtsfällen. Von zunehmender Bedeutung ist die Beobachtung und Bewertung des Vergiftungsgeschehens. Diese auch als ‚Toxikovigilanz’ bezeichnete Aufgabe zeigt sich am Beispiel der „Magic Nano“-Vergiftungsepidemie, die sich im Frühjahr des Jahres 2006 ereignete. Unter diesem Namen wurden Versiegelungssprays auf den deutschen Markt gebracht, die bei vielen Anwendern zum Teil schwere Lungenschäden verursachten. In einer konzertierten Aktion des GIZ-Nord, anderer Giftinformationszentren, der Behörden sowie Hersteller- und der Vertreiberfirmen wurden die Sprays schnellstmöglich vom Markt genommen. Obwohl die Produkte nur einen Tag erhältlich waren, wurden bundesweit 127 Vergiftungen registriert. An diesen Zahlen lässt sich leicht abschätzen, wie wichtig ein schnelles Eingreifen bei epidemischen Vergiftungen ist. Hier spielen die Giftinformationszentren eine Schlüsselrolle. Sie stehen an zentraler Stelle zwischen Öffentlichkeit, niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusern und den Überwachungsbehörden und betreiben Verbraucherschutz und Prävention an vorderster Front.Mit dem Jahresbericht und einer Vielzahl von Vorträgen kam das GIZ-Nord seinen zentralen Aufgaben nach, den Überwachungsbehörden und der Fachöffentlichkeit über die aktuelle Vergiftungssituation zu berichten.

Der Jahresbericht fasst die Daten aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen zusammen. Weitere Informationen, auch Länder-spezifische und ältere Jahresberichte sowie verschiedene Warnmeldungen über aktuelle Vergiftungsgefahren sind über die Internetseite www.giz-nord.de abrufbar.

Die meisten Anfragen erreichen das GIZ-Nord über die Notrufnummer 0551-19240. Prophylaktische Anfragen können auch per E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! übermittelt werden.

WEITERE INFORMATIONEN:

Jahresbericht 2006

Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität, Dr. Martin Ebbecke, Dr. Andreas Schaper, Tel.: 0551 / 38 31 80

Dr. Herbert Desel
Leiter des Giftinformationszentrum-Nord (GIZ-Nord)
Universitätsmedizin Göttingen
Robert-Koch-Str. 40
37075 Göttingen
www.giz-nord.de