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hydrangea16.04.2013 - Alle Jahre wieder ...

 

In den Tagen nach einer bisher ungeklärten Serie von mindestens sechs Diebstählen von Hortensientrieben in Südniedersachen Anfang Dezember 2009 beantwortete das GIZ-Nord mehr als zehn Medien-Anfragen zu diesem Thema. Im Januar 2011 schien auch das nordhessische Gebiet betroffen zu sein.

Im April 2013 scheint sich eine neue Serie anzubahnen, wie mehrere Anrufe in den letzten Tagen und Wochen andeuten...

Bereits im Jahr 2003 war das Giftinformationszentrum für die nördlichen Bundesländer im Zusammenhang mit einem ähnlichen Ereignis in Schleswig-Holstein intensiv zu diesem Thema befragt worden. Damals wie jüngst wurde vermutet, dass die Hortensienteile als Droge konsumiert würden. Dabei wurde eine Aufnahme durch Rauchen als wahrscheinlich angenommen.

Die aus Japan stammende Gartenhortensie (meist Hydrangea macrophylla) ist eine in (Nord-)Deutschland sehr verbreitete, mehrjährige Gartenpflanze. Bei der Hortensie handelt es sich um einen Halbstrauch, dessen ältere Pflanzenteile verholzt sind. Gartenhortensien enthalten nach heutiger toxikologischer Kenntnis keine auf das Gehirn wirkenden Inhaltsstoffe. Für eine Nutzung als Droge ergibt sich daher aus medizinischer Sicht – nach wie vor – kein Anhalt.

Hortensien enthalten wie viele andere nicht zur Nahrungsmittelproduktion gezüchtete Pflanzen wechselnde Mengen an Blausäure-freisetzenden Inhaltsstoffen (cyanogene Glykoside), die bei hochdosierter Aufnahme, insbesondere auch beim Rauchen, zu einer Blausäurevergiftung führen könnten. Solche Fälle sind in der medizinischen Literatur allerdings bisher nicht bekannt geworden.
In den vergangenen 14 Jahren sind dem GIZ-Nord ca. 50 Fälle einer Aufnahme von Hortensien mitgeteilt worden, in keinem dieser Fälle wurde eine absichtliche Aufnahme zum Erzielen einer psychotropen Wirkung berichtet. In den meisten Fällen verlief die Aufnahme ohne Symptome, gelegentlich traten leichte Beschwerden, meist Übelkeit oder Erbrechen, auf. Schwere Vergiftungen wurden nicht berichtet.

In der Regel treten bei Aufnahme neuartiger Drogen bei einem Teil der Konsumenten unerwünschte Symptome auf, die zu einer medizinischen Behandlung führen. Diese Vergiftungen sind den behandelnden Ärztinnen und Ärzten dann meist nur wenig bekannt, sie suchen dann sehr häufig den Rat eines Giftinformationszentrums. Aus diesem Grund registrierten Giftinformationszentren neue Drogentrends in der Vergangenheit sehr empfindlich, auch mit geographischem Bezug. Die Tatsache, dass dem GIZ-Nord Hortensien-Vergiftungen bisher nicht gemeldet wurden, deutet darauf hin, dass diese Pflanze nicht in nennenswertem Umfang als Drogen konsumiert wird.

Die Beobachtungen und Auswertungen der Giftinformationszentren zeigen, dass alle Medienpräsentationen neuartiger Drogen in den vergangenen Jahren immer viele experimentierfreudige Konsumenten zum Nachahmen motivierten. Dies führte dann im Wochenabstand zu einem deutlichen Anstieg der Fallhäufigkeiten in der notfallmedizinischen Versorgung. Es ist daher zu vermuten, dass auch viele Nachahmer die „Hortensien-Droge“ getestet haben. Die Tatsache, dass uns auch nach der umfassenden Hortensien-Medienpräsentation Anfang Dezember 2009 keine Fälle berichtet wurden, unterstützt die Einschätzung, dass dieser Pflanze keine psychotropen Wirkungen hervoruft.