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1. Beurteilen Sie Paracetamol in Hinsicht auf sein dosisabhängiges Vergiftungspotential!

Paracetamol ist ein freiverkäufliches, in analgetisch wirksamer Dosis sicheres Arzneimittel. Bei einer Überdosis kommt es zu einer Erschöpfung der entgiftenden Stoffwechselwege wegen eines Aufbrauchens von körpereigenem Glutathion. Es kommt zu einer schweren Leberzellschädigung, über das Anfluten von toxischen Stoffwechselprodukten im Gehirn schließlich zu einem Koma (Leberzerfallskoma), oft mit tödlichem Ausgang.

 

2. Welche Schlafmittel kennen Sie und wie ist deren Gefährlichkeit (im Hinblick auf eine Vergiftung) zu beurteilen?

Klassische Schlafmittel sind kurzkettige Aldehyde (z.B. Chloralhydrat = Trichloracetaldehyd-Hydrat) und Derivate der Barbitursäure. Diese Schlafmittel haben eine geringe therapeutische Breite: Eine mäßige Überdosis kann bereits zu schweren und tödlichen Vergiftungen führen (Atemfunktionsstörungen). Moderne Schlafmittel sind 5-Phenyl-1,4-benzodiazepin-Derivate (Benzodiazepine) mit hoher therapeutischer Breite. Orale Aufnahme dieser Substanzen führt, ohne Einnahme weiterer Arzneimittel oder Alkohol, nur sehr selten zu  einer lebensbedrohlichen Vergiftung.

 

3. In der Naturheilkunde werden Auszüge aus verschiedenen Pflanzen zur Herstellung mild wirksamer, gut verträglicher Schlafmittel empfohlen. Wäre neben Hopfen, Baldrian und Passionsblume auch Schlafmohn (Papaver somniferum) als Bestandteil solcher pflanzlichen Schlafmittel geeignet? Begründen Sie Ihre Entscheidung.

Nein. Schlafmohn enthält Morphin und weitere Wirkstoffe aus der Gruppe der Opiate. Bereits eine mäßige Überdosierung führt bei diesen Substanzen zu einer Hemmung des (unbewussten) Atemantriebs und zu tiefer Narkose mit dem Risiko einer tödlichen Ateminsuffizienz. Bei wiederholten Anwendung kommt es zudem schnell zu einer Toleranzentwicklung. Zudem kann sich einer körperlichen Abhängigkeit entwickeln.

 

4. Welche Gruppe von Produkten spielt bei akuten Vergiftungen in Deutschland die größte Rolle? Nennen Sie zwei Beispiele für typische Vertreter dieser Noxengruppe und dadurch hervorgerufene typische Symptome.

Arzneimittel stellen die mit großem Abstand häufigste Ursache von akuten Vergiftungen dar. Besonders häufig werden Vergiftungen mit Psychopharmaka (z.B. Antidepressiva, Herzrhythmusstörungen! Bewusstseinstörungen, Krampfanfälle) oder mit Schlaf- oder Schmerzmitteln (z.B. Bewusstseinstörungen, Atemdepression) beobachtet. Im Kindesalter spielen zudem Erkältungsmittel eine große Rolle.

 

5. Welche Methoden spielen in der klinisch-toxikologischen Analytik eine bedeutende Rolle?

In den meisten Kliniklabors stehen immunchemische Testverfahren zum Nachweis gängiger Arzneimittelwirkstoffe zur Verfügung. Ethanol wird oft mit einem Enzymtest bestimmt. Eine umfassende (systematische) toxikologische Analytik auf (zunächst) unbekannte organische Substanzen kann nur mit chromatographischen Verfahren durchgeführt werden (GC/MS, HPLC/UV).

 

6. Welches sind heute die wichtigsten Ursachen von Todesfällen durch akute Exposition gegenüber chemischen Substanzen (Vergiftungen im weiteren Sinne)?

Die Zahl der Todesfälle durch akute Vergiftungen in Deutschland kann auf etwa 12.000 geschätzt werden, darunter ca. 1.400 Drogentote pro Jahr, ca. 500 Brandopfer pro Jahr, davon ca. 95 % Tote durch Brandgase, ca. 100 Tote durch Medikamente, ca. 50 Tote durch Pestizide und andere Chemikalien.

 

7. Welche Symptome erwarten Sie bei einer Überdosierung des freiverkäuflichen Schmerzmittelwirkstoffs Acetylsalicylsäure?

Mäßige Überdosierung (Salicylismus): Innere Unruhe, Fieber, Erbrechen, Kopfschmerz, Schwindel, vermehrte Atemaktivität (Hyperventilation), Ohrgeräusche (Tinnitus). Bei starker Überdosierung werden schwere Veränderungen des Säure-Base-Haushaltes des Blutes und der Konzentrationen der salzartigen Kationen in der Blutflüssigkeit gefunden. Zudem treten Hirnkrampf-Anfälle auf, es kommt zu Bewusstseinsverlust oder akutem Nierenversagen.

 

8. Welche Schmerzmittel kennen Sie und wie beurteilen Sie deren Gefährlichkeit (im Hinblick auf eine Vergiftung)?

Schmerzmittel, die häufig Ursachen für Vergiftungen darstellen, sind Paracetamol, Acetylsalicylsäure und Opiate wie z.B. Morphin.
Paracetamol führt bei Überdosis (Einmaldosis mehr als 10 g beim Erwachsenen) nach anfänglich geringen Bauchschmerzen zum Auftreten eines Leberschadens.
Acetylsalicylsäure (schnell deprotoniert und hydrolysiert zum Salicylat) führt zum "Salicylismus": Hörstörungen, (Über-)Stimulation der Atmung mit Alkalisierung des Blutplasmas.Später bei hoher Dosis Azidose (Plasma-pH-Wert < 7,35), zentralnervöse Erregung u.a.
Opiate (z.B. Morphin) führen in Überdosis zu einer lebensbedrohlichen, zentralen Atmungsdepression und zum Koma (Narkose). Außerdem besitzen dieses Substanzen ein hohes Suchtpotential.

 

9. Nennen Sie je ein Beispiel für ein sicheres und unsicheres Schlafmittel und begründen Sie die Einstufung.

Zu den sicheren Schlafmitteln gehören Benzodiazepine und Benzodiazepin-ähnlich wirkende Substanzen Zopiclon, Zolpidem und Zaleplon. Bei Überdosis (ohne zusätzliche Einnahme weiterer Substanzen) beobachtet man einen langen, tiefen Schlaf, jedoch keine tiefe Narkose (Koma) mit Störung der Atmungsfunktion. Als unsichere Schlafmittel gelten Chloralhydrat sowie die heute nicht mehr als Schlafmittel gebräuchlichen Barbiturate und bromierte Harnstoffderivate, wie Carbromal oder Bromisoval. Eine Überdosis führt bei diesen Substanzen u.U. zu einer tiefen Narkose mit dem Risiko einer Ateminsuffizienz.

 

10. Welche Arzneimittelvergiftungen lassen sich durch Antidote gut behandeln? Nennen Sie für 2 Vergiftungen jeweils Hauptsymptome und geeignete Antidote.

Die wichtigsten Arzneimittelvergiftungen, für die wirksame Antidot-Therapien zur Verfügung stehen, sind
- Opiatvergiftungen (Morphin, Heroin, Methadon u.a.): Atemdepression, Antidot Naloxon
- Vergiftungen mit Benzodiazepinen (Diazepam, Flunitrazepam u.a.): tiefe Sedierung, Antidot Flumazenil
- Paracetamolvergiftunge: Leberzerfall, Acetylcystein

 

11. Welche Symptome sind nach Einnahme einer hohen Dosis der Opiates Morphin zu erwarten und wie kann eine Morphin-Überdosierung erfolgreich behandelt werden?

Opiate wie Morphin führen in Überdosis zu starker ZNS-Dämpfung: Narkose, Atemdepression, Tod. Begleitsymptom ist eine starke Pupillenverengung (Miosis). Bei der Morphinvergiftung stehen die Überwachung der Atmung (Freihalten der Atemwege), ggf. eine maschinelle Beatmung oder eine Gabe des Antidotes Naloxon im Vordergrund.

 

12. Vergleichen Sie immunchemische und chromatographische Verfahren (z.B. GC/MS) für den Nachweis von Suchtstoffen in menschlichen Körperflüssigkeiten ?

Im Gegensatz zu chromatographischen Methoden sind immunchemische Verfahren sind i.d.R. Gruppentest, sie können also zwischen verschiedenen Vertretern einer Substanzgruppe (z.B. Amphetamine) nicht unterscheiden. Zudem erschweren Kreuzreaktionen chemisch ähnlicher Verbindungen die Testinterpretation. Andererseits erfordern immunchemische Verfahren einen geringeren Probenvorbereitungsaufwand und i.d.R. eine weniger aufwendige Laborausrüstung. Da auch die Schulung des durchführenden Personals weniger aufwendig ist, eignen sich diese Methoden besonders für große Probenmengen. Positive Befunde immunchemischer Untersuchungen bedürfen immer der Bestätigung durch eine andere Untersuchungsmethode.

 

13. Benennen Sie die wesentlichen Kriterien einer stofflichen Abhängigkeit (z. B. der Abhängigkeit von Benzodiazepinen).

Erstes Zeichen der Entwicklung einer Abhängigkeit ist meist die Gewöhnung (Toleranzentwicklung), die zum Erzielen einer erwünschten Wirkung eine Dosissteigerung notwendig macht. Eine Abstinenz wird erschwert durch das Auftreten einer Entzugssymptomatik (gegenteilige Wirkungen). Der Patient verspürt das dringende Bedürfnis, zur Vermeidung der Entzugssymptome den Stoff aufzunehmen. Dies wird zum bedeutensten Lebensinhalt, an dem sich alles Handeln orientiert (Craving). Die Einnahme erfolgt auch, wenn dem Patienten bewusst ist, dass er sich damit schädigt (gesundheitlich, sozial, gesellschaftlich, z. B. durch Delinquenz).

 

14. Welcher molekulare Mechanismus liegt der lebertoxischen Wirkung des Schmerzmittels Paracetamol zugrunde?

Paracetamol wird vorwiegend durch Glucuronidierung oder Sulfatierung, d. h. durch einen Phase II-Stoffwechselweg, eliminiert. Ein kleiner Anteil des absorbierten Paracetamols wird jedoch in der Leber zum reaktiven N-Acetylbenzochinonimin oxidiert (ein Phase I-Stoffwechselweg). Solange die Leber Reserven des Tripeptids Glutathion in reduzierten Form enthält, reagiert N-Acetylbenzochinonimin mit diesem Stoff zum untoxischen Addukt. Bei Aufnahme von Paracetamol in Überdosis wird das reduzierte Glutathion weitgehend aufgebraucht und N-Acetylbenzochinonimin reagiert mit anderen Bestandteilen der Leberzelle unter Ausbildung eines massiven Zellschadens. Dadurch kann es zum Ausfall der Entgiftungswirkung der Leber (z. B. für im Dickdarm gebildetes Ammoniak) und in dessen Folge zum Leberkoma kommen.

 

15. Welche Schmerzmittel kennen Sie und wie beurteilen Sie deren Gefährlichkeit (im Hinblick auf das akute Vergiftungsrisiko)?

Schmerzmittel, die häufig Ursachen für Vergiftungen darstellen, sind Paracetamol, Acetylsalicylsäure und Opioide wie z.B. Morphin.
Paracetamol führt bei Überdosis (Einmaldosis mehr als 10 g beim Erwachsenen) nach anfänglichen Bauchschmerzen zum Auftreten eines Leberschadens nach 2 - 3 Tagen.
Acetylsalicylsäure (nach Absorption schnell dissoziiert und hydrolysiert zum Salicylat) führt zu "Salicylismus": Hörstörungen, (Über-)Stimulation der Atmung mit Alkalisierung des Blutes (pH-Wert > 7,45). Im weiteren Verfauf kann bei hoher Dosis diese Alkalose in eine metabolische Azidose (Blut-pH-Wert < 7,35) übergehen.
Opioide führen in Überdosis zu lebensbedrohlicher, zentralnervöser (d.h. vom Gehirn ausgehender) Atmungslähmung und zum Bewusstseinsverlust (Narkose). Außerdem besitzen Opioid-Wirkstoff ein hohes Suchtpotential.