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Häufige Fragen - Pflanzen

An dieser Stelle werden Fragen und zugehörige Antworten vorgestellt werden, wie sie das GIZ-Nord häufig erreichen.
Dabei werden bevorzugt prophylaktische Anfragen dokumentiert.

häufig angesehen: Kirschlorbeer


Wie giftig ist Liguster?    

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der Kita unserer Tochter sind Ligusterhecken gepflanzt. Ich halte das aufgrund der Giftigkeit der auch für Kleinkinder leicht erreichbaren Beeren zwar für eine ungeschickte Wahl aber auch noch nicht unbedingt für einen Grund, die Entfernung der Hecken zu fordern. Allerdings finde ich im Internet sehr widersprüchliche Angaben zur Giftigkeit. Diese schwanken zwischen „man müsste schon einen Eimer voll essen“ und „es sind Todesfälle bekannt“.

Können Sie mir da helfen? Wie giftig ist Liguster wirklich für Kleinkinder (ab 1 Jahr), wie wahrscheinlich ist es, dass Kinder die relativ bitteren Beeren essen und wie oft kommt es tatsächlich zu Vergiftungen?

Sind Ihnen vielleicht sogar Richtlinien bekannt, welche Pflanzen für Kindergärten und Kitas geeignet sind und welche eher nicht empfohlen werden?

Mit freundlichem Gruß

....

 

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit hat am 17. April 2000 die offizielle Liste giftiger Pflanzen im Bundesanzeiger (v. 06.05.2000, Jahrgang 52, Nr. 86, S. 8517) veröffentlicht.

http://www.giz-nord.de/cms/index.php/liste-giftiger-pflanzenarten.html

Diese Liste enthält ausschließlich Pflanzen, die auch bei Aufnahme geringer Mengen an Pflanzenmaterial mittelschwere oder schwere Vergiftungen verursachen können.

Es wird davor gewarnt, diese Pflanzen an Plätzen anzupflanzen oder aufwachsen zu lassen, die Kindern als Aufenthalts- und Spielort dienen.

Liguster ist auf der Giftpflanzenliste nicht verzeichnet.

Neben den Pflanzen in dieser offiziellen Aufstellung gibt es sehr viele andere, die Inhaltsstoffe enthalten, die - in großen Mengen aufgenommen - zu Magen-Darmbeschwerden oder bei direktem Kontakt zu Haut- oder Augenreizungen führen können.

Dem GIZ-Nord wurden im Zeitraum 1996 bis 2013 insgesamt 1079 Kontaktfälle (Expositionen mit Vergiftungszeichen oder -verdacht) mitgeteilt.

  • Ein Fall mit einem Hund wurde als schwer (lebensbedrohlich: Krampfanfall, neurologische Ausfälle, Durchfall) bewertet,
  • für 5 Patienten (Menschen) wurde als mittelschwer (ärztlich zu behandeln) eingestufte Symptome berichtet (meist lang anhaltendes Erbrechen),
  • und eine größere Zahl von Fällen wurde als leicht eingestuft.
  • In der Mehrzahl der Fälle waren jedoch traten keine Symptome auf.

In allen als schwer und mittelschwer bewerteten Fällen blieben Zweifel, ob die beobachteten Symptome durch die Ligusteraufnahme verursacht worden waren.

Zusammenfassend kann also festgestellt werden, dass Liguster-Kontaktfälle, inbesondere Verschlucken von Ligusterbeeren, häufig auftreten, Vergiftungen durch Liguster allerdings äußerst selten sind.

Die Nicht-Einstufung von Liguster auf der offiziellen Giftpflanzenliste wird also durch die Erfahrungen des GIZ-Nord bestätigt.

 

 


Nordmann-Tanne als Vergiftungsgefahr?

Guten Abend,

wir möchten uns gerne einen Weihnachtsbaum ins Wohnzimmer holen, aber unser 11-monatiges Baby ist inzwischen in dem Alter, dass es sich alles in den Mund steckt.

Wir möchten vermeiden, dass unbewusst eine giftige Pflanze in die Wohnung geholt wird. Wissen Sie, ob Nordmanntannen giftig sind?

... Familie E.


> Die Nordmann-Tanne (Abies nordmanniana) ist auf der offiziellen Giftpflanzenliste des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit vom 17. April 2000 (Bundesanzeiger v. 06.05.2000, Jahrgang 52, Nr. 86, S. 8517)

http://www.giz-nord.de/cms/index.php/liste-giftiger-pflanzenarten.html

n i c h t  verzeichnet.

Diese Liste enthält ausschließlich Pflanzen, die auch bei Aufnahme geringer Mengen an Pflanzenmaterial mittelschwere bis schwere Vergiftungen beim Menschen verursachen können. Es wird davor gewarnt, die Pflanzen der Liste an Plätzen anzupflanzen oder aufwachsen zu lassen, die Kindern als Aufenthalts- und Spielort dienen. Die Tatsache, dass die Nordmanntanne in dieser Liste nicht verzeichnet ist, weist auf ein eher geringes Vergiftungsrisiko hin.

Wir haben die Anfrage zum Anlass genommen, die uns vorliegenden Fallberichte durchzusehen:

In der Falldatenbank des GIZ-Nord sind für den Zeitraum von Januar 1996 bis Dezember 2012 insge­samt acht Fälle verzeichnet, bei denen es zu einer oralen Aufnahme von Nadeln oder anderen Teilen der Nordmanntanne gekommen war. In keinem Fall wurden uns Beschwerden berichtet.

In der uns zur Verfügung stehenden toxikologischen Standard-Fachliteratur

http://www.giz-nord.de/cms/index.php/toxikologische-fachliteratur/64-klinisch-toxikologische-basisliteratur.html#Bionoxen

sowie in der toxikologischen Fachdatenbank POISINDEX (Micromedex, 2012) finden sich keine Hinweise auf Vergiftungen durch Nordmanntannen oder auf toxische Inhaltsstoffe.

In der Gesamtschau betrachtet besteht somit offensichtlich nur ein sehr geringes Vergiftungsrisiko durch Nordmanntannen.

Auch Pflanzen ohne bekannte toxische Inhaltsstoffe können bei Aufnahme in großer Menge Übelkeit und Erbrechen verursachen. Dies sollten Sie beim Aufstellen des Baumes beachten.

Frohe Weihnachten!

 


 

Vergiftungsgefahr durch Catalpa (Trompetenbaum)

... in meiner Nachbarschaft soll wegen der Nähe zu einem Kindergarten ein Trompetenbaum (Catalpa bignonioides) gefällt werden, um eine Gefährdung der Kinder zu vermeiden, da es sich bei der Catalpa um eine Giftpflanze handele.

In der mir zugänglichen Literatur wird die Catalpa allenfalls als schwach giftig bezeichnet. Sind Ihnen ernsthafte Catalpa-Vergiftungen bekannt? Halten Sie die Anpflanzung von Catalpa unter den genannten Bedingungen für gefährlich?

Dr. med. A. R.

 

(2012-01-06) In der Tat werden Catalpa-Arten nicht zu den giftigen Pflanzen gerechnet.

Der Trompetenbaum (Catalpa catalpa = Catalpa bignonioides) ist auf der offiziellen Giftpflanzenliste des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit vom 17. April 2000 (Bundesanzeiger v. 06.05.2000, Jahrgang 52, Nr. 86, S. 8517)

http://www.giz-nord.de/cms/index.php/liste-giftiger-pflanzenarten.html

n i c h t  verzeichnet.

Diese Liste enthält ausschließlich Pflanzen, die auch bei Aufnahme geringer Mengen an Pflanzenmaterial mittelschwere bis schwere Vergiftungen beim Menschen verursachen können. Es wird davor gewarnt, die Pflanzen der Liste an Plätzen anzupflanzen oder aufwachsen zu lassen, die Kindern als Aufenthalts- und Spielort dienen. Die Tatsache, dass Catalpa in dieser Liste nicht verzeichnet ist, weist auf ein eher geringes Vergiftungsrisiko hin.

Wir habe die Anfrage zum Anlass genommen, die uns vorliegenden Fallberichte durchzusehen:

In der Falldatenbank des GIZ-Nord sind für den Zeitraum von Januar 1996 bis Dezember 2011 insge­samt 17 Fälle verzeichnet, bei denen es zu einem Kontakt mit Blättern oder Samen des Trompetenbaums gekommen war.

Neben einem Hund waren 16 Menschen (darunter 14 Kinder) betroffen. In 11 Fällen waren Trompetenbaum-Teile verschluckt worden, in den anderen Fällen kam es zu Kontakt mit Haut oder Auge sowie zu einer Hautverletzung beim Beschneiden des Baumes.

In 7 der 16 menschlichen Kontaktfälle wurden uns keine Symptome berichtet, in 9 Fällen leichte Symptome (meist Bauchschmerz und Erbrechen).

In der uns zur Verfügung stehenden toxikologischen Standard-Fachliteratur

http://www.giz-nord.de/cms/index.php/toxikologische-fachliteratur/64-klinisch-toxikologische-basisliteratur.html#Bionoxen

sowie in der toxikologischen Fachdatenbank POISINDEX (Micromedex, 2011) finden sich keine Hinweise auf Vergiftungen durch Catalpa-Arten.

In der Gesamtschau betrachtet besteht somit offensichtlich nur ein sehr geringes Vergiftungsrisiko durch Trompetenbaum.

Auffällig ist, dass die Anzahl vorsorglicher Anfragen zu dieser kaum giftigen Pflanze (einschließlich dieser) mit 22 die der Kontaktfällen (16) übersteigt. Unserer Erfahrung nach wird der Trompetenbaum oft mit der weit giftigeren Engelstrompete (Brugmansia-Arten) verwechselt.


Giftigkeit der Pestwurz

In unserer Nähe wächst viel Pestwurz, ist diese giftig für Kinder und Tiere?

 

Zu Pestwurz (Petasites hybridus) erreichten das GIZ-Nord in der Zeit von Januar 1996 bis November 2010 nur 3 Anrufe zu Kontaktfällen. In 2 Fällen lagen zur Zeit des Anrufes keine Symptome vor, nachdem Beeren, Blüten oder Blätter von Kindern aufgenommen wurden. In einem Fall war es zu Hautreaktionen nach Gartenarbeit gekommen.

In der medizinischen Literatur wird Pestwurz einerseits als Heilpflanze u.a. gegen Schmerzen, die auf Muskelverspannungen beruhen, erwähnt. Andererseits wird diese Pflanze aufgrund ihrer Inhaltsstoffe durchaus auch als giftig eingestuft (2,4).

Wirksame Inhaltsstoffe dieser Pflanze sind Sesquiterpene und Pyrrolizidinalkaloide. Letztere können u. a. eine lebertoxische Wirkung haben. Je nach Standort sind unterschiedlich hohe Konzentrationen dieser Stoffgruppe in der Wurzel der Pestwurz 0,0001- 0,04% festgestellt worden (1,3).

Akute Vergiftungen sind in der uns zur Verfügung stehenden Literatur nicht beschrieben. Es können allerdings Vergiftungserscheinungen nach wiederholter Aufnahme auftreten. So wurden in 2 Fällen über einen längeren Zeitraum Teezubereitungen aus Pestwurz getrunken, die mit Huflattich verwechselt wurden. Erst nach längerer Zeit zeigten sich Symptome: im ersten Fall verstarb ein Säugling an einer schweren Lebererkrankung, dessen Mutter während der Schwangerschaft einen solchen Tee getrunken hatte. Im zweiten Fall erkrankte ein Säugling schwer, der über einen Zeitraum von 13 Monaten einen solchen Tee erhalten hat (1,2).

Zu Vergiftungen mit Pestwurz bei Tieren liegen uns keine Angaben vor.

Zu Ihrer Frage, ob Kinder und Tiere durch Pestwurz gefährdet sind, raten wir Ihnen in Anbetracht unserer Literaturrecherche - auch wenn uns nur eine sehr kleine Anzahl an symptomlosen Expositionsfällen gemeldet wurde  - intensiven Kontakt mit dieser Pflanze zu vermeiden.

Literatur:

1. Teuscher E, Lindequist U, Biogene Gifte 3. Auflage Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 2010 ISBN 978-3-8047-2438-9

2. Frohne D, und Pfänder HJ , Giftpflanzen 5. neu bearb. und erw. Aufl., Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 2004

3. Bös W, GiftpflanzenCOMpendium http://www.giftpflanzen.com/petasites_hybridus.html (Abruf:07.12.2010)

4. Blaschek W et.al., Hagers Handbuch der Drogen und Arzneistoffe Update. CD-ROM Springer Verlag, 2006, ISBN 3-540-28235-1


Häufigkeit einzelner Pflanzenvergiftungen

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Rahmen einer Studienarbeit beschäftigen wir uns mit dem Thema Giftpflanzen. Wir haben auf Ihrer Website Ihren Jahresberichts-Anhang (z. B. für 2008) gefunden, in dem die Vergiftungshäufigkeiten für alle Pflanzengattungen aufgelistet sind. Verfügen Sie über eine breitere Datenbasis, im Sinne einer "Vergiftungshitliste" der Giftpflanzen?

...

Wir verweisen hinsichtlich einer breiteren Datenbasis auf

1) unsere älteren Jahresberichtsanhänge (jeweils Anhang 1)

und

2) auf eine unserer Beteiligung entstandene aktuelle Publikation, deren Thema nah an die Fragestellung heranreicht:

J. Pietsch, I. Koch, M. Hermanns-Clausen, G. Hüller, R. Wagner, J. Dressler (2008) Pediatric Plant Exposures in Germany, 1998-2004. Clinical Toxicology 46 (7), 686-691:

  • Englische Zusammenfassung

Introduction. Each year, 80,000 to 100,000 calls to the Poison Information Centres (PIC) concern pediatric exposures in Germany. Plant exposures are the fourth most common category, accounting for 22% of pediatric exposures. Methods. Information on plant exposures in children (0–14 years) was collected from annual reports of German PIC. The severity of pediatric plant exposures was classified using the number of ingestions and a calculated hazard factor. Results. A total of 58,641 cases involving 248 different plant genera were reported from 1998 to 2004. Most plant exposures were not associated with clinical effects at time of call, but 9.6% of cases had noticeable effects, including 0.4% classified as moderate and major effect. Conclusions. The majority of plant genera have low hazard factors. Most severe poisoning (highest hazard factors and exposures) in children involved Brugmansia, Laburnum, Phaseolus, and Thuja.


Gefahr für 2-jähriges Kind durch Rhododendron im Garten?

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In der medizinischen Fachliteratur wird eine hohe Giftigkeit von Rhododen¬dron beschrieben (1,5). Diese Einschätzung wird wesentlich geprägt durch die Erkenntnis, dass der Genuss türkischen Honigs, der in Rhododendronblüten-reichen Regionen gewonnen wird, gelegentlich mittelschwere Störung der Kreislaufregulation hervorruft (4). Nach Erfahrung des Giftnotrufs Berlin bevorzugen Kinder die Blüten oder den Nektar, den sie aus Blüten saugen (1). Auch die Aufnahme eines aus Rhododendronblättern zubereiteten Tees kann zu Vergiftungen führen (1). Bei Haustieren konnten ebenfalls Vergiftungen durch Rhododendron dokumentiert werden (6). Die Symptome werden verursacht durch Grayanotoxine mit dem Hauptwirkstoff Acetylandromedol.

Im Untersuchungszeitraum erreichten das GIZ-Nord 208 Anrufe zu Rhododen¬dron. 4 Betroffene litten unter Magen-Darm-Beschwerden wie Erbrechen, Übelkeit, Durchfall und Bauchschmerzen in mittelschwerer Ausprägung (in der Regel mehrere Stunden anhaltend), drei dieser Betroffenen hatten zusätzlich Fieber. In keinem dieser mittelschweren Vergiftungsfälle konnten die Beschwerden allerdings allein auf eine Aufnahme von Rhododrendron zurückgeführt werden. 32 Patienten berichteten Magen-Darm-Symptome in leichterem Ausmaß. Ebenfalls in leichter Ausprägung traten Fieber, Unruhe, Muskelzittern, Kopfschmerzen und Brennen im Hals auf. 161 Fällen hatten die Betroffenen Personen keine Symptome, in den übrigen Fällen war der Zustand nicht beurteilbar.

Aus den Erfahrungen des GIZ-Nord kann somit die erhöhte Giftigkeit von Rhododendron im Vergleich mit anderen Zierpflanzen bisher nicht sicher bestätigt werden. Aus Gründen der Vorsorge raten wir dennoch dazu, Rhododendron nicht an Plätzen anzupflanzen oder aufwachsen zu lassen, die Kindern als Aufenthalts- und Spielort dienen (vgl. unsere Anmerkung zur Offiziellen Giftpflanzenliste auf der GIZ-Nord-Website (http://www.giz-nord.de/cms/index.php/liste-giftiger-pflanzenarten.html).

Es gibt Schätzungen, dass es 500 – 1000 natürliche Rhododendron-Arten und mehrere Tausend Bastarde und Zuchtformen gibt (2). Die zahlreichen Zuchtformen enthalten unterschiedliche Toxinmengen. Es gibt auch Pflanzenformen, bei denen keine Grayanotoxine nachgewiesen werden konnten. Es ist uns aus diesem Grund nicht möglich zum Toxingehalt einzelner Rhododendronsorten eine spezifische Aussage zu machen.

Literatur:

1 v.Mühlendahl KE, Oberdisse U, Bunjes R, Brockstedt M, Vergiftungen im Kindesalter 4., vollk. überarb. u. erw. Aufl. Stuttgart: Thieme 2003 ISBN 3-13-129814-6

2 Frohne D, Pfänder HJ, Giftpflanzen 5.Aufl. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 2004 ISBN 3-8047-2060-9

3 Teuscher E, Lindequist U, Biogene Gifte 3. neu bearb. U. erw. Aufl. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 2010 ISBN 978-3-8047-2438-9

4 Desel H, Neurath H, Vergiftungen mit „Pontischem Honig“ Toxichem Krimtech 1998; 65: 936-8

5 Pietsch J, Hermanns-Clausen M, Hüller G, Wagner R, Dressler J Pediatric plant exposures in Germany, 1998–2004. Clinical Toxicology (2008) 46, 686–691

6 Campbell A, Chapman M Poisoning in Dogs and Cats. Oxford: Blackwell


Vergiftungsrisiko durch Fliederblütentee?

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kann man aus Fliederblüten einen bekömmlichen Tee zubereiten? Gefragt ist der Gemeine Flieder (Syringa vulgaris), nicht der Holunder (Sambucus nigra).

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Flieder enthält als Wirkstoffe vorwiegend Etherglycoside und Kohlenwasserstoffe, die als entzündungshemmend, fiebersenkend und schmerzlindernd gelten. Verschiedene Teile des Flieders wurden früher als Tonicum (d. h. allgemeines Kräftigungsmittel), Adstringens (z. B. zur Stillung kleiner Blutungen) oder als Fiebermittel verwandt (HagerROM 2008). In der Zeit von Januar 1996 bis April 2010 wurden dem GIZ-Nord insgesamt 62 Fälle berichtet, bei denen Fiederblätter oder -blüten verspeist worden waren. In 8 dieser Fälle traten (z. T. heftige) Bauchschmerzen oder Durchfall auf (alles Kinder), in den übrigen Fällen wurden uns keine Beschwerden berichtet.

Über schwere(re) Vergiftungen durch Flieder haben in der medizinischen Fachliteratur keine Angaben finden können.

Über eine Verwendung von Fliederblüten zur Herstellung von Tees ist uns bisher nichts bekannt geworden, allerdings werden in einer Quelle kandierte Fliederblüten als Delikatesse bezeichnet ( v. Mühlendahl  et al. 2003)

Aufgrund der uns vorliegenden Fallberichte raten wir Ihnen dennoch von der Herstellung von Tee eher ab. Wir stimmen Ihrer Einschätzung zu, dass in den meisten Fällen mit "Fliedertee" wohl auch ein Tee aus Holunder gemeint sein könnte.

 


Kirschlorbeer: Blätter und Früchte

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Was genau ist zu befürchten nach dem Verzehr von Früchten oder Blättern des Kirschlorbeers und welche Maßnahmen müssen ergriffen werden?

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Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) enthält zu einem vergleichsweise hohen Anteil toxische, Blausäure-freisetzende Glykoside in Blättern und den Samen. Die Pflanze ist daher auf der offiziellen Giftpflanzenliste des Bundesumweltministeriums verzeichnet (siehe z. B.

http://www.giz-nord.de/php/index.php/liste-giftiger-pflanzenarten.html

auf unserer Website).

Diese Liste enthält ausschließlich Pflanzen, die auch bei Aufnahme geringer Mengen an Pflanzenmaterial mittelschwere (wie Kirschlorbeer) bis schwere Vergiftungen verursachen können. Es wird davor gewarnt, diese Pflanzen an Plätzen anzupflanzen zu lassen, die Kindern als Aufenthalts- und Spielort dienen.

Vergiftungsverdachtsfälle mit Kirschlorbeer werden dem Giftinformationszentrum-Nord sehr häufig berichtet, in der Zeit von 1996 bis August 2009 waren es 14 Fälle mit Hautkontakt (nur leichte Reizungen) und 1983 Fälle nach Verschlucken von Pflanzenteilen (durch Menschen).

  • Unter diesen Fällen fanden sich keine lebensbedrohlichen Vergiftungsfälle.
  • 2 Fälle mit länger anhaltendem Erbrechen und Durchfall waren als mittelschwer eingestuft. In beiden Fällen war unsicher, ob das Verschlucken von Kirschlorbeer tatsächlich die Beschwerden verursacht hatte.
  • In 123 Fällen wurden uns ausschließlich leichte Symptome wie kurzzeitig Bauchschmerz, Übelkeit und Erbrechen mitgeteilt.
  • In allen übrigen Fällen (1858, 94 %) wurden uns keine Beschwerden berichtet.


Zusammenfassend betrachtet kann Kirschlorbeer also prinzipiell schwere Vergiftungen verursachen, in der Praxis werden solche Vergiftungen aber nur sehr selten beobachtet.

Für Kleinkinder sind die Pflanzenteile des Kirschlorbeer offenbar nicht sehr attraktiv (bitter, insbesondere die stark Blausäure-haltigen Blätter und Samen), so dass fast nie größere Mengen aufgenommen werden.

Maßnahmen nach Verschlucken von Kirschlorbeer-Pflanzenteilen:

  • bei kleinen Mengen (bis 3 Früchte oder 1/2 Blatt): 1 Tasse Flüssigkeit (stilles Wasser, Tee)
  • bei größeren Mengen: ggf. Gabe von Aktivkohlesuspension nach Rücksprache mit einem Giftinformationszentrum oder einer vergiftungserfahrenen Ärztin /einem vergiftungserfahrenen Arzt.

 


Vergiftungsrisiko durch Schönfrucht?

Sehr geehrte Damen und Herren,

... ist ein Schönfruchtstrauch auf unserem Schulhof gefährlich für die Kinder?

Sehr geehrter Herr ...,

vielen Dank für Ihre Anfrage ... zur Giftigkeit der Schönfrucht.

Die Schönfrucht (Callicarpa) ist auf der offiziellen Giftpflanzenliste des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit vom 17. April 2000 (Bundesanzeiger v. 06.05.2000, Jahrgang 52, Nr. 86, S. 8517)  n i c h t  verzeichnet. Diese Liste enthält ausschließlich Pflanzen, die auch bei Aufnahme geringer Mengen an Pflanzenmaterial mittelschwere bis schwere Vergiftungen beim Menschen verursachen können.

In der Falldatenbank des GIZ-Nord sind für den Zeitraum von Oktober 1996 bis August 2009 insge­samt 39 Fälle verzeichnet, in denen Früchte der Callicarpa aufgenommen wurden. Davon hatten 36 betroffene Personen keine Symptome, 1 Kind hatte einmalig erbrochen und 2 Fälle wurden als mittelschwer bewertet, da Fieber und mehrfaches Erbrechen auftraten (ein Kausalzusammenhang erschien unsicher).

In den uns zur Verfügung stehenden toxikologischen Datenbanken und Nachschlagewerken gilt Callicarpa lantana als ungiftig, während andere Callicarpa-Arten gastrointestinale Symptome verur­sachen können.

In der Gesamtschau betrachtet besteht somit offensichtlich nur ein geringes Vergiftungsrisiko, wenn Callicarpa-Arten auf einem Schulgelände angepflanzt werden.


 

Vergiftungsrisiko durch Blasenkirsche

Sehr geehrte Damen und Herren,

es gibt verschiedene Meinungen darüber, ob der Verzehr von Früchten der Blasenkirsche (Physalis alkekengi var. franchetii) giftig ist. Manche Quellen behaupten, dass nur die grünen Pflanzenteile giftig sind. Esgibt jedoch Leute, die die Früchte der Blasenkirsche essen, so habe ich zumindest gelesen. Können Sie mir da Auskunft geben?

...

Sehr geehrte ...

Physalis alkekengi gehört zur Pflanzenfamilie der Nachtschattengewächse (Solanaceae), in der einige sehr giftige Pflanzen, jedoch auch (zumindest in manchen Pflanzenteilen) schmackhafte und gut verträgliche „Verwandte" zu finden sind (Tomate, Kartoffel).

Die grünen Pflanzenteile und die unreifen Früchte der Blasenkirsche enthalten ein Bitterstoffgemisch (u. a. Physaline, Teuscher & Lindequist 2003), möglicherweise wie andere Nachtschattengewächse auch giftiges Solanin (Poisindex-Datenbank 2008). Sie schmecken daher bitter.

In der offiziellen Liste giftiger Pflanzen des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit ist Physalis alkekengi  (Lampionblume, Blasenstrauch) nicht als Giftpflanze verzeichnet. Diese Liste enthält ausschließlich Pflanzen, die auch bei Aufnahme geringer Mengen an Pflanzenmaterial mittelschwere bis schwere Vergiftungen verursachen können.

In der medizinischen Fachliteratur ist beschrieben, dass nach dem Verzehr von 1-10 unreifen Früchten von Physalis alkekengi durch Kinder leichte Symptome wie Erbrechen, Bauchschmerzen oder Durchfall auftraten (v. Mühlendahl et al.: Vergiftungen im Kindesalter, Stuttgart 2003).

In der Falldatenbank des GIZ-Nord sind für den Zeitraum von Januar 1996 bis August 2008 insgesamt 350 Fälle mit Physalis alkekengi dokumentiert, bei denen sich in 21 Fällen Bauchschmerzen, Durchfall oder Erbrechen zeigten. In einem dieser dokumentierten Fälle hielt der Durchfall über mehrere Tage an.

 

Im Gegensatz zu den unreifen Blasenkirschen schmecken die reifen Früchten fruchtig (Teuscher & Lindequist, a. a. O.).  Gesundheitliche Beschwerden nach Verzehr reifer Blasenkirschen sind uns bisher nicht bekannt geworden. Allerdings ist eine Verwendung der Früchte von Physalis alkekengi als Obst - im Gegensatz zu denen der verwandten Art Physalis peruviana (Kapstachelbeere, im Handel oft auch nur mit dem Gattungsnamen als „Physalis" bezeichnet) - in der entsprechenden Standardfachliteratur (Franke: Nutzpflanzenkunde, Stuttgart 1997) nicht erwähnt.

 


Vergiftungsrisiko durch Jakobskeuzkraut?

Hallo, wir kämpfen zur Zeit gegen das Jakobskreuzkraut (...) . Haben Sie schon bei Menschen Vergiftungen durch das Kraut gehabt? Oder wissen Sie eine Stelle, an die ich mich wenden kann?

H. W.

Sehr geeehrter Herr W.,

...

Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea L.) ist auf der offiziellen Giftpflanzenliste des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit vom 17. April 2000 (Bundesanzeiger v. 06.05.2000, Jahrgang 52, Nr. 86, S. 8517)  n i c h t  verzeichnet. Diese Liste enthält ausschließlich Pflanzen, die auch bei Aufnahme geringer Mengen an Pflanzenmaterial mittelschwere bis schwere Vergiftungen beim Menschen verursachen können.
http://www.giz-nord.de/php/index.php/liste-giftiger-pflanzenarten.html

In der Falldatenbank des GIZ-Nord sind im Zeitraum 1996 bis heute, Juli 2008, insgesamt 6 Fälle verzeichnet, bei denen Jakobskreuzkraut oral aufgenommen worden war. Darunter waren in 5 Fällen Kinder betroffen. Nur in einem Fall waren Symptome aufgetreten: ein Säugling hatte Fieber, nachdem er auf einem Blatt gekaut hatte. Der ursächliche Zusammenhang wurde als unwahrscheinlich bewertet. In einem Fall wurde uns zudem über eine Kontaktallergie gegenüber Jakobskreuzkraut berichtet.

Für die Gesundheit des Menschen scheint Jakobskreuzkraut nach unserem Kenntnisstand somit zur Zeit nur eine sehr geringes Risiko zu bestehen.

Über Symptome bei Pferden nach dem Verzehr von Jakobskreuzkraut wurde uns seit 1996 insgesamt sechsmal berichtet. Die Tiere zeigten Zeichen körperlicher Schwäche, in drei Fällen wurde konnten auffällige Laborwerte, die auf eine Leberfunktionsstörung hindeuten, bestimmt werden. Je ein Tier hatte Fieber oder eine Kolik. Hinweise auf Leberfunktionsstörungen ergaben sich auch im Fall eines Kaninchens.

Über die Bedeutung des Jakobskreuzkrautes für Weidetiere berichtet informiert Landwirtschaftskammer Niedersachsen :

http://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/2/nav/278/article/11181.html
(Abruf: 19.08.2009)



Über die Bedeutung des botanisch eng verwandten Gemeinen Greiskrautes (Senecio vulgaris L.) als Verunreinigung im  Salat informierte das Bundesinstitut für Risikobewertung im vergangenen Jahr:

http://www.bfr.bund.de/cm/208/salatmischung_mit_pyrrolizidinalkaloid_haltigem_geiskraut_verunreinigt.pdf
(Abruf: 25.07.2008)

Diese Behörde war an der Erarbeitung der oben genannten offiziellen Giftpflanzenliste beteiligt und wäre nach unserer Kenntnis Ihr Ansprechpartner, wenn eine Neubewertung des Vergiftungsrisikos der Pflanzen erfolgen müsste.

Wir hoffen, Ihnen mit diesen Informationen geholfen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

 


Vergiftungsrisiko durch Eibe im Kindergarten?

Guten Tag,

unsere Tochter (4 Jahre) besucht seit letztem Sommer den hiesigen Kindergarten. Irgendwann zeigte sie mir stolz den Kletterbaum dort. Völlig entsetzt habe ich zur Kenntnis genommen, dass dies eine ca. 10 m hohe Eibe ist!
Sämtliche Warnungen und Bitten diese doch zu entfernen stoßen bei Bürgermeister und sonstigen Zuständigen auf Nichtbeachtung.

Einige meinen sogar, so gefährlich, dass sie gefällt werden müsste, ist eine Eibe nicht. Wer hat Recht? Und wie groß ist die Gefahr für unsere Kinder?  …

A. K.

Sehr geehrte Frau K.,

auf unserer Website finden Sie die offizielle Liste giftiger Pflanzenarten. Darin ist die Eibe verzeichnet.

Das Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit hat am 17. April 2000 diese Liste im Bundesanzeiger (v. 06.05.2000, Jahrgang 52, Nr. 86, S. 8517) neu veröffentlicht.

Diese Liste enthält ausschließlich Pflanzen, die auch bei Aufnahme geringer Mengen an Pflanzenmaterial mittelschwere oder schwere Vergiftungen verursachen können. Es wird davor gewarnt, diese Pflanzen an Plätzen anzupflanzen oder aufwachsen zu lassen, die Kindern als Aufenthalts- und Spielort dienen.

Andererseits ist unserer Erfahrung nach das Vergiftungsrisiko nicht sehr hoch: ein Kind müsste eine größere Menge Pflanzenmaterial verschlucken, ehe schwere Vergiftungssymptome auftreten.

Bei mehreren tausende Anfragen, die uns in den letzten 9 Jahren nach Verschlucken von Eibenmaterial durch Kinder erreichten, sind uns bisher keine Fälle mit schweren Symptomen bekannt geworden. Die ausgeprägtesten uns berichtete Symptome zeigte ein 6jähriges Mädchen nach Verspeisen einer großen Anzahl von Eibenfrüchten: Es war blass, erbrach, bekam Durchfall und weite Pupillen. Die Herzfrequenz war beschleunigt. Alle Beschwerden legten sich nach einigen Stunden.

 


 


Vergiftungsrisiko durch Robinie?

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der Nähe unseres Hauses gibt es die Robinienanpflanzung  eines holzwirtschaftlichen Bertiebes.

Ich habe Informationen darüber, dass die Robinie eine giftige Pflanze ist und es schwere Vergiftungen bei Pferden gab, die Rinde von Robinien aufgenommen hatten.

Da unsere Kinder oft in der Nähe dieser Anpflanzung spielen möchte ich gerne von Ihnen wissen, wie gefährlich dieser Baum ist.

Welche Gifte sind in der Pflanze enthalten und wie wirken sie? Welche Teile der Pflanze sind am höchsten belastet? Wie gefährlich ist der Holzstaub, der beim Fällen der Bäume über unser Wohngebiet zieht? Gibt es die Giftstoffe auch in Rauch und Asche beim Verfeuern des Holzes im Kamin? Gibt es Hinweise, dass auch Robinienhonig belastet ist?

Über eine Klärung meiner Fragen wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Mit freundlichen Grüßen

G.R.

 

Sehr geehrter Herr R.,

... In der offiziellen Liste giftiger Pflanzen des Bundesamtes für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit vom 17. April 2000 (Bundesanzeiger v. 06.05.2000 Jahrgang 52, Nr.86, S.8517) ist die Robinie n i c h t als Giftpflanze verzeichnet. Diese Liste enthält ausschließlich Pflanzen, die auch bei Aufnahme geringer Mengen an Pflanzenmaterial mittelschwere bis schwere Vergiftungen verursachen können. Es wird davor gewarnt, diese Pflanzen an Plätzen anzupflanzen oder aufwachsen zu lassen, die Kindern als Aufenthalts- und Spiel­ort dienen. Sie finden diese Liste auf unserer homepage unter www.giz-nord.de unter „Bürgerinforma­tionen".

Die Robinia pseudoacacia gehört zu der Familie der Schmetterlingsblütler Fabaceae. Außer den Blüten enthalten alle Pflanzenteile Robin und Phasin. Robin und Phasin sind Lectine, d. h. Gemische aus toxisch wirkenden Proteinen (früher als „Toxalbumine" bezeichnet).

Robin besitzt im Vergleich zum Phasin eine deutlich geringere Toxizität und kommt in höchster Konzentration in der Rinde vor. Phasin findet sich in der Robinie in geringerer Konzentration als in der Gartenbohne (Phaseolus vulgaris, 1,2,3).

Oral aufgenommen reagieren die Lectine mit Rezeptoren an Darmepithelzellen und verursachen lokal eine Reizung. Direkt ins Blut gegebene Lectine können rote Blutkörperchen verklumpen  und wirken damit als Phytohäm­agglu­tinine  (2,1).

Bei Kindern sind Vergiftungen mit leichter gastrointestinaler Symptomatik wie Erbrechen, Übelkeit, Bauch­schmerzen und Durchfall nach Verzehr der Samen bekannt geworden. Die Kinder hatten wenige bis 30 Samen gegessen (1,4).

Auch bei Kindern, die Robinienrinde gekaut hatten, sind in der Literatur Fälle von Vergiftungen (leichtes Erbrechen) beschrieben (Hui et al. J Tox Clin Tox 42, 93-94, 2004).

Auch nach unserer 12-jährigen Beratungserfahrung (1996-03.2008) lässt sich die Robinie zu den geringgradig giftigen Pflanzen zählen: in unserer Falldatenbank sind 54 Fälle mit oraler Aufnahme von Robinien-Samen dokumentiert. In der Regel waren Kinder betroffen, in 46 Fällen traten keine und in 5 Fällen leichte Symptome (Bauchschmerzen, Erbrechen, Übelkeit) auf. Nicht beurteilbar waren 3 der Fälle.

Eine Anfrage betraf das Vergiftungsrisiko durch Bearbeiten von Robinienholz (Schnitzen). Symptome, z. B. an der Haut, wurden uns nicht berichtet.

Zu Vergiftungen nach Kontakt mit Holzstaub, Asche oder Rauch nach Aufnahme von Robinienhonig liegen in der uns zugänglichen wissenschaftlichen Literatur und in unserer Datenbank keine Berichte oder Bewer­tun­gen vor. Das Risiko kann daher nicht abschließend bewertet werden. Anhalt für eine hohes Vergiftungsrisiko ergibt sich allerdings nicht.

Im Gegensatz zu den Erfahrungen beim Menschen sind bei Pferden schwere Vergiftungen bekannt geworden: nach Fressen von Rinde und Laub oder Holzspaneinstreu kam es zu Koliken, Durchfall und Lähmungserscheinungen (1).

Abschließend sei angemerkt, dass Lectine durch Kochen unschädlich gemacht (denaturiert) werden können, wodurch Bohnengemüse bekömmlich wird. Durch Trocknen werden sie nicht zerstört. ...

Literatur:

1) Frohne D, Pfänder HJ  Giftpflanzen  5., Aufl. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2004
2) Roth L, Daunderer M, Kormann M  Giftpflanzen - Pflanzengifte  4., überarb. u. erw. Aufl.  Landsberg/Lech: ecomed, 1994 
3) Teuscher E, Lindequist U   Biogene Gifte  2., Aufl. Stuttgart: Fischer, 1994
4) v. Mühlendahl KE,  Oberdisse U,  Bunjes R,  Brockstedt M,   Vergiftungen im Kindesalter  4., vollk. überarb. u. erw. Aufl. Stuttgart:  Thieme 2003   ISBN 3-13-129814-6