GIZ-Nord » Firmenservice » Häufige Fragen (Maßnahmen zur Ersten Hilfe)
 

Seitens der Unternehmen, mit denen ein Kooperationsvertrag besteht, wird das GIZ-Nord in den letzten Jahren häufig um eine Stellungnahme zum richtigen Verhalten bei Unfällen gebeten, z. B. für diesbezügliche Angaben in Sicherheitsdatenblättern. Dieser Bitte kommen wir - in eigenem Interesse - stets gern nach.

Sogenannte "Primäre Giftentfernung"

Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang oft der veränderte medizinische Stellenwert von Maßnahmen zur Verhinderung der der Absorption (Aufnahme in den Körper) nach Verschlucken eines Stoffes oder Produktes.

Während diese Maßnahmen zur "Primären Giftentfernung" früher nahezu in jedem Fall als wichtiger Bestandteil der medizinischen Behandlung einer oralen Vergiftung galten, hat ihre Bedeutung heute stark abgenommen:

In den 1990er Jahren hat es einen Paradigmenwechsel hinsichtlich der Anwendung resorptionsverzögernder Maßnahmen bei oralen Expositions- und Vergiftungsfällen gegeben, der von vielen AutorInnen und BearbeiterInnen von Sicherheitstexten noch nicht vollständig nachvollzogen worden ist.

Die wesentlichen Ergebnisse dieses Prozesses auf der GIZ-Nord-Website an anderer Stelle dargestellt.

Die wesentliche Änderungen:

  • Das Auslösen von Erbrechen gilt heute als kontraindiziert, wenn das aufgenommene Agens Bewusstseinsstörungen verursachen kann - was für viele Produkte, insbesondere solche, die organische Lösemittel enthalten, zutrifft.

  • Eine Magenspülung ist stark mit einem Risiko für das Entstehen einer Lungenentzündung behaftet und wird nur noch im Falle einer potenziell lebensbedrohlichen oralen Vergiftung innerhalb der ersten Stunde nach Aufnahme des Giftes durchgeführt, d.h. nur nach Aufnahme einer hohen Dosis. Bei nicht intubierten Patienten gilt die Magenspülung zudem grundsätzlich als kontraindiziert, wenn die Schutzreflexe der Atemwege beeinträchtigt sind.

Allgemeine Therapieempfehlung nach Verschlucken von Reinigern

Nach Ingestion eines Reinigers empfiehlt das GIZ-Nord das Trinkenlassen von einem Glas (Erwachsene) bzw. einer Tasse (Kinder) Wasser ohne Kohlensäure.

Bei tensidhaltigen Reinigern empfehlen wir ergänzend die orale Gabe von Dimethicon oder Simethicon.

Sofern d. Betroffene Beschwerden hat oder der Reiniger als ätzend eingestuft ist empfehlen wir zusätzlich die anschließende Arzt- oder Kliniksvorstellung oder die Alarmierung des Rettungsdienstes (je nach Schwere der Symptomatik).

Den Begriff "Verdünnungstherapie" verwenden wir nicht. Begründung für die gegebene Erstempfehlung ist eine Prüfung des Schluckreflexes und ein Freispülen der Schleimhäute oberhalb des Magens.